Den Haags verborgene Oasen: die Hofjes

Ulrike Grafberger, Freitag, 3. Mai 2013, 245 Mal gesehen

Den Haags verborgene Oasen: die Hofjes

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Sie gehören zu den bestgehüteten Geheimnissen Hollands: die Hofjes. Hinter hohen, teils fensterlosen Mauern verstecken sich grüne Hofgärten, umringt von kleinen Häusern. Oasen der Ruhe inmitten der hektischen Stadt. Nun wohne ich seit vielen Jahren in Den Haag, aber welche Perlen sich – manchmal hinter einer ganz „normalen“ Haustüre – verbergen, war mir nicht bewusst. Ich mache mich also auf die Suche nach den Hofjes ...

„Geh ruhig hinein, ich wohne hier und erlaube es“, sagt mir eine ältere Dame, die vor einem großen, von einer Mauer umrahmten Holztor, auf jemanden zu warten scheint. Ich ignoriere das Schild „Zugang verboten“ und schleiche mich in das Heilige Geesthofje an der Paviljoensgracht in Den Haag. Kurz danach bin ich im Gespräch mit Ria und ihrer Nachbarin, die im Beet vor ihren Häuschen die ersten Frühlingsblumen pflanzen. Sie erzählen mir, dass in diesem Hofje nur alleinstehende Damen wohnen, dass hier auch ein Geist umherspukt, der sich ab und zu in Form einer Rauchsäule zeigt, und dass Besuch höchstens für drei Tage erlaubt sei. Denn dann würde er – so wie Fisch – einem stinken.

Doch bei einem Blick in ihre beiden Häuschen wird deutlich: Besuch kann hier – wenn überhaupt – nicht lange bleiben, denn die Hofjes-Häuser sind klein. Sehr klein. Rund 40 Quadratmeter verteilen sich auf zwei Etagen. Im Erdgeschoss liegt der Wohnbereich und im Obergeschoss das Schlafzimmer. Aber für eine Familie oder auch nur ein Paar waren diese Häuser sowieso nicht gedacht.

Die Idee, die hinter den Hofjes steckt, war eine rein soziale und stammt aus dem 17. Jahrhundert, als viele Hofjes errichtet wurden. Während man älteren Herren eine Versorgung ihrer selbst nicht zutraute und sie deshalb in „Oudemannenhuizen“ (eine Art Altersheim für ältere Männer) steckte, wo sie von weiblichem Personal umsorgt wurden, durften ältere Damen ein Häuschen in einem Hofje beziehen. Dort konnten sie ein selbstständiges Leben in Gesellschaft anderer Frauen führen. Ein paar Regeln gab es zu jedoch zu beachten: kein Männerbesuch und ein sittsames Leben, in manchen Hofjes wurde ein regelmäßiger Kirchenbesuch erwartet. Über die Einhaltung dieser Regeln wachte die sogenannte Binnenmoeder.

Und heute? Heutzutage gibt es in den Niederlanden noch circa 200 Hofjes, von denen das Begijnhofje in Amsterdam das bekannteste sein dürfte. Rund 115 dieser niederländischen Hofjes liegen in Den Haag. Teilweise werden diese Hofjes noch immer von älteren, alleinstehenden Damen bewohnt, in anderen Hofjes wiederum tummeln sich Künstler, Studenten und Senioren. Um die Privatsphäre der Bewohner zu respektieren, sind manche Hofjes nicht öffentlich zugänglich. Dazu gehören das bereits erwähnte Heilige Geesthofje und das idyllische Hofje van Wouw, das nur an bestimmten Tagen wie dem Open Monumentendag im September besichtigt werden darf.

Andere Hofjes in Den Haag sind dagegen frei zugänglich. Zum Beispiel:

• Hofje van Nieuwkoop (1660): mit 62 Häusern das größte Hofje Hollands in der Prinsegracht, Eingang Warmoezierstraat
• Hooftshofje (1754) in der Assendelftstraat 53-89, Nähe Prinsegracht. Dies ist ein Wohltätigkeits-Hofje für ältere, alleinstehende Frauen.
• Rusthofje (hinter einer grünen Haustüre) in der Parkstraat 41-61
• Hofje Floris van Dam, Lange Beestenmarkt 21-47. Die Damen hier haben das Glück, sich regelmäßig mit dem besten Jenever ganz Den Haags eindecken zu können. Die Destillerie Van Kleef liegt nur ein paar Häuser weiter. Unbedingt mal vorbeischauen!

Übernachten in einem Hofje – in einem 400 Jahre alten Haus – ist ebenfalls möglich:

• Im Heilige Geesthofje kann man ein Häuschen als Ferien-Unterkunft mieten. Informationen über 0031-70-3635264

Bei einem Hofje-Besuch bitte die Privatsphäre der Bewohner achten.

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