Der Italiener des Nordens

Ulrike Grafberger, Sonntag, 21. April 2013, 249 Mal gesehen

Der Italiener des Nordens

Mein Design-Gefühl sagt mir: Je weiter nördlich es geht, desto klarer werden die Linien. Minimalismus scheint das Kennzeichen des Nordens zu sein, Überschwänglichkeit das des Südens. Doch mein Besuch in dem vom niederländischen Designer Marcel Wanders eingerichteten Andaz Hotel bringt mich aus dem Konzept: Riesige Kronleuchter hängen von der Decke, Gäste sitzen auf dunklen, verschnörkelten Sofas, und schwere Teppiche schaffen eine Wohnzimmeratmosphäre. An der Wand erstreckt sich ein großes, dunkles Bücherregal voller Vasen in Delfter Blau, Bildern von Königin Beatrix, Design-Büchern, Globen und alten Landkarten. Alles in allem eine doch recht barocke und opulente Kulisse. Stammt das wirklich aus der Hand eines Niederländers?

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Mein Design-Gefühl sagt mir: Je weiter nördlich es geht, desto klarer werden die Linien. Minimalismus scheint das Kennzeichen des Nordens zu sein, Überschwänglichkeit das des Südens. Doch mein Besuch in dem vom niederländischen Designer Marcel Wanders eingerichteten Andaz Hotel bringt mich aus dem Konzept: Riesige Kronleuchter hängen von der Decke, Gäste sitzen auf dunklen, verschnörkelten Sofas, und schwere Teppiche schaffen eine Wohnzimmeratmosphäre. An der Wand erstreckt sich ein großes, dunkles Bücherregal voller Vasen in Delfter Blau, Bildern von Königin Beatrix, Design-Büchern, Globen und alten Landkarten. Alles in allem eine doch recht barocke und opulente Kulisse. Stammt das wirklich aus der Hand eines Niederländers?

Knoten, auf denen man sitzen kann

Marcel Wanders dürfte einer der bekanntesten zeitgenössischen Designer der Niederlande sein. Geboren im Jahr 1963, schloss er 1988 sein Studium an der Kunstakademie Arnheim ab. Er ist Mitbegründer des bekannten Design-Labels Moooi und entwirft u.a. für Alessi, Puma, KLM Royal Dutch Airlines, MAC Cosmetics und B&B Italia. Seinen Durchbruch schaffte er im Jahr 1996 mit dem berühmten Knotted Chair, einem Stuhl, der nur aus Seilen und Knoten zu bestehen scheint. Zu bestaunen ist er u.a. im MoMA in New York. Ob man darauf bequem sitzen kann, das ist noch die Frage. Aber eindeutig anders als die meisten Stühle sieht er aus. Und genau das ist die Intention von Marcel Wanders: aus industriell hergestellten Produkten etwas Individuelles zu schaffen.

Besonders deutlich zeigt sich diese Individualität in den Räumen des Andaz Hotels. Mitten im Zimmer steht ein Waschtisch mit einer Porzellan-Waschschüssel darauf. Diese Schüssel ist ein "One Minute Delfter Blau" Kunstwerk. Jede einzelne Waschschüssel hat Marcel Wanders mit der schönen blauen Farbe dekoriert – und hat dafür pro Waschschüssel genau eine Minute verwendet. Sieht trotzdem klasse aus.

Dem Menschen ins Herz geschaut

Obwohl die Kunstwerke Marcel Wanders in meinen Augen manchmal knapp am Kitsch vorbeigehen, so mag ich seine Art zu denken. Weil wir heute alles möglichst funktionell, klar und praktisch produzieren, fehlt vielen Produkten die Seele. Sie bleiben austauschbar, ersetzbar, lieblos. Wenn sich Marcel Wanders an die Arbeit macht, dann versetzt er sich erst in die Menschen. "Ich schaue in die Herzen der Menschen, manchmal erahne ich ihre Träume. Wenn ich mit ihnen spreche, dann verstehe ich ihre Bedürfnisse. Ihr Bedürfnis nach Überraschung, Sicherheit, Mitgestalten und Entwicklung, ihren Wunsch nach Individualität und Vertrautheit. Menschen offenbaren eine nicht versiegende Quelle an Illusionen und Hoffnung." Genau darum sind seine Produkte so überraschend anders, voller Individualität und Menschlichkeit. Und häufig tragen sie die Zeichen seiner niederländischen Heimat.

Moooi Showroom Amsterdam, Westerstraat 187
Andaz Amsterdam, Prinsengracht 587

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