Die Tradition des Schlittschuhlaufens in Holland

Ulrike Grafberger, Dienstag, 5. März 2013, 1726 Mal gesehen

Die Tradition des Schlittschuhlaufens in Holland

Es ist schon komisch: In einem Land, das für sein maritimes Klima und damit einhergehend für milde Winter bekannt ist, gehört das Schlittschuhlaufen zu den beliebtesten Sportarten. Zwar gibt man sich auch mit Kunsteis und Eislaufhallen zufrieden, doch das wahre Glück findet der Holländer auf Natureis. Auf zugefrorenen Grachten, Seen und Weihern, Flüssen und Kanälen. Doch woher kommt diese Liebe zu Eis und Eisenkufen? Ich gehe auf die Suche und erfahre, dass es in Holland sogar einen schaatshistoricus gibt, also einen Historiker, der sich mit dem Schlittschuhfahren beschäftigt. Sein Name ist Marnix Koolhaas und er gibt mir freundlich und bereitwillig Auskunft.

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Es ist schon komisch: In einem Land, das für sein maritimes Klima und damit einhergehend für milde Winter bekannt ist, gehört das Schlittschuhlaufen zu den beliebtesten Sportarten. Zwar gibt man sich auch mit Kunsteis und Eislaufhallen zufrieden, doch das wahre Glück findet der Holländer auf Natureis. Auf zugefrorenen Grachten, Seen und Weihern, Flüssen und Kanälen.

Doch woher kommt diese Liebe zu Eis und Eisenkufen? Ich gehe auf die Suche und erfahre, dass es in Holland sogar einen schaatshistoricus gibt, also einen Historiker, der sich mit dem Schlittschuhfahren beschäftigt. Sein Name ist Marnix Koolhaas und er gibt mir freundlich und bereitwillig Auskunft.

Eislaufen als Volksvergnügen

Einer der Gründe für die niederländische Begeisterung für das Schlittschuhlaufen liegt laut Marnix Koolhaas in der Reformation: "Als im 16. Jahrhundert der Calvinismus in den Niederlanden auf dem Vormarsch war, wurden viele katholische Feste abgeschafft, darunter auch der Karneval. An seine Stelle trat das Eislaufen. Auf dem Eis fühlte man sich frei und unabhängig, konnte den strengen Normen und Gesetzen für eine kurze Zeit entfliehen. Auf dem Eis fanden nun die Feste statt."
Und noch etwas erzählt mir Marnix: "In den Niederlande fand man die sogenannte verzuiling, die Versäulung der Gesellschaft.  Sowohl das private wie auch das gesellschaftliche Leben spielte sich in der eigenen 'Säule' ab (protestantisch, katholisch, sozialdemokratisch oder liberal). So kommt es, dass es sogar heute noch in Amsterdam einen katholischen Fußballclub gibt. Lediglich das Schlittschuhlaufen unterlag niemals der Versäulung. Auf dem Eis sind alle gleich – egal welcher Religionsgemeinschaft oder Partei sie angehören. Und so gibt es auch keinen katholischen Schlittschuhverein." Auf dem Eis hat man Spaß und fühlt sich frei – das leuchtet mir ein. Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum die Niederländer das Eislaufen im Blut haben. Auf Schlittschuhen kann man nämlich nicht nur Pirouetten drehen, sondern auch weite Strecken zurücklegen

Mit dem Wischmopp zu Oma und Opa

Warum spielt das Schlittschuhlaufen in den Niederlanden eine so große Rolle? Meine Schwiegermutter ist Friesin, keine Ostfriesin, sondern niederländische Friesin. Und weil ja die weltberühmte Elfstädtetour, also die Tour auf Schlittschuhen durch elf friesische Städte, mehr oder weniger an ihrer Haustüre vorbeiführt, muss sie es ja wissen. Sie erzählt mir folgende Geschichte aus ihrer Kindheit: "Sobald wir laufen konnten, mussten wir Kinder aufs Eis. Wir hatten noch Holzkufen mit einem Stück Eisen darunter. Für uns war es damals sehr wichtig, dass wir uns auf dem Eis fortbewegen konnten. Wir hatten in der Familie nur ein Fahrrad und wenn wir Verwandte besuchen wollten, mussten wir teilweise eine Strecke von fünf Kilometern zurücklegen. Das ist vor allem für Kinder ziemlich weit. Als ich sechs Jahre alt war, besuchten wir Oma und Opa über einen zugefrorenen Kanal. Meine Eltern nahmen den Wischmopp und entfernten den Aufsatz mit den Fransen, sodass nur noch der Stock übrig blieb. Damit gingen wir aufs Eis. Papa und Mama liefen auf Schlittschuhen voraus, hielten den Stecken an einem Ende und ich hing am anderen. Und wenn ich selber nicht mehr Schlittschuhlaufen konnte, ließ ich mich einfach ziehen."

"Wenn es friert, tauen die Holländer und Friesen auf"

Auch Marnix bestätigt die Geschichte meiner Schwiegermutter: "Wer früher kein Segelboot oder Pferd hatte, dem brachte der Winter mit seinen zugefrorenen Wasserwegen eine gehörige Portion Freiheit." Das soziale Leben und die familiären Bande lebten in Holland dann erst richtig auf, wenn die Natur im Winterschlaf versank.

Und heute? Wenn man die Niederländer auf dem Eis sieht, dann glaubt man in ihren Gesichtern zu lesen: Vergnügen und die große Freiheit. Schon die Allerkleinsten rutschen auf dem Eis herum. Und wer weiß - vielleicht kommt bald mal wieder ein Winter, in dem man übers Eis die Oma besuchen kann.

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