Eine Insel als Podium: Oerol

Ulrike Grafberger, Dienstag, 18. Juni 2013, 725 Mal gesehen

Eine Insel als Podium: Oerol

Das war knapp! In allerletzter Sekunde die Fähre von Harlingen nach Terschelling erwischt. Mit mir an Bord: Unmengen gut gelaunter, kreativ gekleideter und schwer bepackter Menschen. Wir alle haben ein Ziel – Oerol, das größte Kultur-Festival Europas, das zehn Tage lang die komplette Watteninsel Terschelling einnehmen wird.

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Das war knapp! In allerletzter Sekunde die Fähre von Harlingen nach Terschelling erwischt. Mit mir an Bord: Unmengen gut gelaunter, kreativ gekleideter und schwer bepackter Menschen. Wir alle haben ein Ziel – Oerol, das größte Kultur-Festival Europas, das zehn Tage lang die komplette Watteninsel Terschelling einnehmen wird.

Im Hafen von West-Terschelling angekommen, strömen alle zum Fahrradverleih, denn man bewegt sich – typisch holländisch – per Rad von einem Veranstaltungsort zum anderen. Und das heißt: Der Damm am Hafen wird ebenso als Kunstkulisse genutzt wie der Strand, die Dünen, der Wald und die Wiesen. Die nächsten drei Tage kämpfe ich mich also bei sechs Windstärken von einem Ende der Insel zum anderen. Aber es lohnt sich!

Zentrum des Oerol-Festivals ist das Westerkeyn-Gelände. Hier kann man Karten für die Theatervorstellungen kaufen, Live-Musik hören, ein Bierchen in der Sonne trinken und Terschellinger Käse essen. Aber das ist nicht alles, denn wir sind bei Oerol. Und somit gibt es auch einen Geschichten-Supermarkt, angesiedelt in einem Wohnwagen, in dem man für 25 Cent eine Geschichte anhören kann. Mitten auf dem Festival-Gelände kann man sich die Füße massieren lassen, während man in umfunktionierten Schubkarren Platz nimmt, oder in einer Badewanne unter freiem Himmel Abkühlung suchen. Ein paar Meter weiter steht ein Zelt, in dem ein klassisches Privatkonzert gegeben wird. Verrückt, kreativ, gewagt und zukunftsweisend – das ist Oerol.

Wir ziehen von Westerkeyn weiter in die Orte West-Terschelling und Midsland, in denen Akrobaten, Musikgruppen, Kabarettisten und Geschichtenerzähler ihre Künste zeigen. Schnell ist man selbst Teil des Programms und findet sich tanzend und singend in einer Terschellinger Straße wieder.

Doch am meisten beeindruckte mich, dass bei Oerol die ganze Insel mitsamt ihrer Natur einbezogen wird. Die Landschaft wird zur Kulisse, teilweise ist sie die Hauptdarstellerin. So wie beim Pannenland, einer Installation aus 4.000 französischen Dachpfannen, die in einem geometrischen Muster den Strand von Hoorn zieren. Wind und Sand lassen das Kunstwerk jeden Tag anders aussehen.

Schon der Weg zum Strand, der durch den Wald und die Dünen führt, ist ein Erlebnis. Weitere 10.000 Dachziegel wurden zu Kunstwerken verarbeitet. Begleitet werden sie von einem „Taschenbaum“ oder einem „Fensterwald“. Schwer zu beschreiben, was einem in Oerol an jeder Ecke und jedem Ende wiederfährt. Es ist immer anders, immer unerwartet. Oder haben Sie schon einmal Tango in den Dünen getanzt oder sind mit einer Tasche auf dem Kopf in einem Bilderrahmen verewigt worden?

Und weil Oerol nicht beschrieben werden kann, sondern erfahren werden muss, kann ich nur jedem raten, im Juni nach Terschelling zu kommen, denn dann wird die ganze Insel vom Oerol-Gefühl beherrscht. Ziehen Sie sich ein Blümchenkleid an, tragen Sie bunte Gummistiefel oder einen großen Strohhut. Und stürzen Sie sich dann in das große Abenteuer Kultur. Besuchen Sie nachts Theatervorstellungen im Wald, betrachten Sie Video-Installationen am Sandstrand oder hören Sie Musik vor der Kulisse des Meeres. An keinem anderen Ort der Welt gehen Natur und Kultur eine schönere Symbiose ein.

Oerol findet 10 Tage lang im Juni auf der niederländischen Watteninsel Terschelling statt. Der Eintritt beträgt 20 Euro für 10 Tage (man bekommt ein Armband als Zugangsbeweis). Theatervorstellungen kosten extra. Tipp: Hotelzimmer und Fähre weit im Voraus reservieren.

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