Höllenqualen und Himmelsfreuden: „Hieronymus Bosch - Visionen eines Genies“

Ulrike Grafberger, Freitag, 11. März 2016, 3363 Mal gesehen

Höllenqualen und Himmelsfreuden: „Hieronymus Bosch - Visionen eines Genies“

Eine überdimensionale Fratze würgt den Unterleib eines Menschen aus dem Mund, nackte Leiber werden von Schwertern und Pfeilen durchbohrt oder rutschen breitbeinig über Messers Schneide. Auf dem Rücken einer knienden Frau reitet ein teufelsähnliches Wesen, den Dolch in der Hand drohend in die Luft gestreckt. Ein Frauenkopf thront auf einem glitschigen Lurchkörper, ein Haupt wandert ohne Rumpf auf vier Beinen und der Tod schaut als bleiches, mit leichtem Tuch umhülltes Magerwesen durch die Tür.

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Eine überdimensionale Fratze würgt den Unterleib eines Menschen aus dem Mund, nackte Leiber werden von Schwertern und Pfeilen durchbohrt oder rutschen breitbeinig über Messers Schneide. Auf dem Rücken einer knienden Frau reitet ein teufelsähnliches Wesen, den Dolch in der Hand drohend in die Luft gestreckt. Ein Frauenkopf thront auf einem glitschigen Lurchkörper, ein Haupt wandert ohne Rumpf auf vier Beinen und der Tod schaut als bleiches, mit leichtem Tuch umhülltes Magerwesen durch die Tür.

Auf die Höllenqualen folgt ein himmlischer Moment: Zarte Engel mit langen, filigranen Flügeln tragen die Verstorbenen sanft gen Himmel, in einen verheißungsvollen Lichttunnel hinein. Hier, im Paradies wachsen die Früchte in den Mund, und Muscheln dienen als schützende Schlafstätte.

Ich bin in ’s-Hertogenbosch (kurz: Den Bosch) in der Ausstellung „Hieronymus Bosch - Visionen eines Genies“ und betrachte die Wimmelbilder voller wundersamer Wesen, die uns den Spiegel vorzuhalten scheinen: Seht her, was mit euch geschieht, wenn ihr euch der Wollust und Völlerei hingebt!

Am liebsten würde ich stundenlang meine Nase an das die Bilder schützende Glas drücken, um nach immer weiteren Details zu suchen. Es sind die kleinen, gemeinen Teufelchen und die Mischwesen aus Tier und Mensch, die am meisten faszinieren. Sie entspringen der Fantasie eines Genies.

Hieronymus Bosch, der vor 500 Jahren in Den Bosch verstarb, konnte nicht nur Kunstfreunde begeistern, sondern auch andere Künstler inspirieren. Bei flämischen Malern wie Pieter Huys kann man das Gedankengut von Hieronymus Bosch ebenso entdecken wie in den surrealistischen Werken eines Salvador Dalís. Boschs Bilder zierten die Plattencover von Deep Purple und den Toten Hosen und dienten als kreativer Input für Musikkompositionen, Tanzchoreografien, Bücher und Filme.

Auf der ganzen Welt hängen seine – wenigen – Werke in den Museen: In Wien, Frankfurt, Washington und Venedig. Die meisten Bilder besitzt der Madrider Prado, u.a. die bekannten Gemälde Der Garten der Lüste und Der Heuwagen. In Spanien ist Hieronymus Bosch derart beliebt, dass er den spanischen Namen El Bosco verliehen bekam und ihn die Spanier fortan für einen Landesgenossen hielten.

Und Den Bosch, seine Heimatstadt? Die ging leer aus. Bisher. Doch vom 13. Februar bis zum 8. Mai 2016 sind im Noordbrabants Museum 20 Gemälde und 19 Zeichnungen vom berühmten Sohn der Stadt zu sehen, begleitet von rund 70 weiteren Kunstwerken aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Wie hat man es geschafft, den Madrilenen ihren El Bosco für kurze Zeit abspenstig zu machen? Mit einer kongenialen Idee: Alle Werke von Hieronymus Bosch wurden in den vergangenen neun Jahren von dem eigens gegründeten Bosch Research and Conservation Project (BRCP) untersucht, dokumentiert und bei Bedarf restauriert – im Austausch gegen eine dreimonatige Wiedervereinigung in Den Bosch, wo sie nun zu sehen sind.

Tipp: Tickets und Audio-Tour vorher online buchen.

Adresse: Noordbrabants Museum, Verwersstraat 41, Den Bosch

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Verwersstraat 41
Den Bosch

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