Marken: Inselidylle zwischen Unterhemden und Eisbrechern

Ulrike Grafberger, Freitag, 18. Oktober 2013, 420 Mal gesehen

Marken: Inselidylle zwischen Unterhemden und Eisbrechern

Die in glänzendem Moosgrün und Tiefschwarz gestrichenen Häuser mit ihren strahlendweißen Fenstern, in denen noch weißere Spitzengardinen vor aufdringlichen Blicken schützen, stehen dichtgedrängt aneinander. Vor den Häusern blühen üppig die Hortensien, gesäumt von langen Leinen, an denen die Wäsche im Wind flattert. Es ist Samstag, es ist Waschtag auf der holländischen Insel Marken.

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Die in glänzendem Moosgrün und Tiefschwarz gestrichenen Häuser mit ihren strahlendweißen Fenstern, in denen noch weißere Spitzengardinen vor aufdringlichen Blicken schützen, stehen dichtgedrängt aneinander. Vor den Häusern blühen üppig die Hortensien, gesäumt von langen Leinen, an denen die Wäsche im Wind flattert. Es ist Samstag, es ist Waschtag auf der holländischen Insel Marken.

Den samstäglichen Waschtag scheint man auf der Insel ernst zu nehmen. Jedenfalls sind die Wäschestücke penibel nach Farben geordnet. Weiße Unterhosen hängen säuberlich geklammert nebeneinander, gefolgt von einer Reihe blütenweißer Männerunterhemden. Auf der Wäscheleine dahinter hängt die komplette Jeanskollektion einer ganzen Markerfamilie. Staunend stehe ich vor dieser geballten Waschkraft und muss an meine eigene Waschmaschinenfüllung von heute Morgen denken, in der sich ein schwarzer Socken zwischen die weißen Handtücher geschlichen hat. Das geht besser – wie ich jetzt sehe.

Erbaut sind die idyllischen Inselhäuser auf Warften, auf künstlich aufgeschütteten Hügeln. Als es noch keinen Afsluitdijk gab und die Zuiderzee die Insel Marken umspülte, schützten die Warften gegen das Wasser, das sich bei Sturm über die Insel wälzte. Und das nicht nur einmal, sondern mehrmals pro Jahr. Als die Warften mit Häusern vollgebaut waren und für weitere Bewohner kein Platz mehr da war, stieg man auf Pfahlbauten um. Heute sind die Pfahlhäuser als solche nicht mehr zu erkennen. Denn als der Afsluitdijk im Jahr 1932 errichtet und aus dem Meeresarm der Zuiderzee das IJsselmeer wurde, brauchte man die Pfähle als Schutz gegen das eindringende Wasser nicht mehr. Der Raum unter den Pfahlwohnungen wurde anderweitig genutzt.

Noch in anderer Hinsicht werden die Bewohner Markens von der Natur herausgefordert. In kalten Wintern kann es passieren, dass sich Eisplatten auf dem Wasser bilden, die sich bei hohem Wellengang übereinander türmen und langsam auf die Insel schieben. Die zwölf hölzernen Eisbrecher aus dem Jahr 1872 im östlichen Teil der Insel zeugen von den verzweifelten Versuchen, sich gegen die Naturgewalten zu wehren.

Auch der wunderschöne Leuchtturm der Insel, genannt Het Paard van Marken („das Pferd von Marken“), kämpft des Öfteren gegen das Eis. Im Jahr 1971 wurde der Leuchtturm durch Eisplatten sogar um einige Zentimeter verschoben. Übrigens ist auch der Leuchtturm der Insel wäscheweiß.

Wer Marken besucht, sollte unbedingt einen Blick in die Inselkirche werfen: Dort hängen hölzerne Schiffsmodelle von der Decke. Marken hatte bis ins Jahr 1932 eine eigene Fischereiflotte mit rund 200 Schiffen. Der Afsluitdijk und die damit verbundene Abtrennung von der Nordsee bereiteten dieser Einkommensquelle ein jähes Ende. Zum Glück bringen heute Touristen Geld auf die Insel. Auf die weniger als 2.000 Einwohner kommen jährlich rund 300.000 Gäste. Seit die Insel Marken über einen langen Damm mit dem Festland verbunden ist, braucht man kein Schiff mehr, um die kleine Schönheit im Markermeer zu besuchen.

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