Meister des Lichts

Ulrike Grafberger, Montag, 11. November 2013, 393 Mal gesehen

Meister des Lichts

„Unser Mädchen ist in New York“ – so zwitscherte es im Herbst 2013 von den sozialen Dächern. Wer „unser Mädchen“ ist, das wussten die meisten Holländer sofort: Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge von Johannes Vermeer (1632 – 1675). Normalerweise hängt das Bild im Mauritshuis in Den Haag. Doch weil das Mauritshuis noch bis Mitte 2014 renoviert und erweitert wird, ist das Mädchen derzeit auf Weltreise. Erst war sie in Japan, dann in San Francisco und Atlanta, später in New York. Immer und überall ist sie der Star, und die Besucher nehmen stundenlanges Schlangestehen mühelos in Kauf.

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„Unser Mädchen ist in New York“ – so zwitscherte es im Herbst 2013 von den sozialen Dächern. Wer „unser Mädchen“ ist, das wussten die meisten Holländer sofort: Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge von Johannes Vermeer (1632 – 1675). Normalerweise hängt das Bild im Mauritshuis in Den Haag. Doch weil das Mauritshuis noch bis Mitte 2014 renoviert und erweitert wird, ist das Mädchen derzeit auf Weltreise. Erst war sie in Japan, dann in San Francisco und Atlanta, später in New York. Immer und überall ist sie der Star, und die Besucher nehmen stundenlanges Schlangestehen mühelos in Kauf.

Doch was ist das Besondere an dem Gemälde, das auch als "Mona Lisa des Nordens" bezeichnet wird? Und was macht die Malerei von Johannes Vermeer so faszinierend? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, besuche ich das Vermeer-Zentrum in Delft. Vermeer war ein waschechter Delfter, dort wurde er geboren, dort malte er und dort starb er auch. Arm, so wie die meisten Maler. Seine Frau, mit der er vierzehn Kinder hatte, bezahlte nach seinem Tod mit zwei Gemälden die Brot-Schulden beim Bäcker ab.

Zwei Bilder von Johannes Vermeer – das war ein nicht unbedeutender Teil seines Gesamtwerkes, das aus nur 34 Gemälden besteht. Und alle seine Werke sind im Vermeer-Zentrum ausgestellt. Zwar nicht als Originale (es gibt dort kein einziges Original), doch als Kopien. Und diese Gesamt-Übersicht macht die Faszination des Vermeer-Zentrums aus.

Dank dieser Vielzahl an Bildern entdecken wir Kleinigkeiten, die uns sonst verborgen bleiben. In vielen Gemälden Vermeers taucht immer wieder der gleiche Stuhl oder der gleiche Fußboden auf. Vermeer war hauptsächlich ein Interieur-Maler, das heißt, er malte seine Bilder in Innenräumen. Und oft malte er Frauen: die Dienstmagd, die Klavierspielerin, die Hure, die Hausfrau, die Briefleserin, aber auch den Astronom und den Geografen. Seine Darstellungen sind Tronies, portraitähnliche Charakterstudien uns nicht bekannter Modelle.

Und das gilt auch für das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge. Bis heute weiß man nicht, um wen es sich bei dem hübschen Mädchen mit dem blauen Kopfschmuck handelt. Man vermutet, es könne seine Tochter Maria sein, die er im Jahr 1664 malte. In einem Roman und dessen Verfilmung geht man von einem Hausmädchen aus. Wie auch immer: Der nach hinten gewandte Blick, der sinnliche, halb geöffnete Mund, der sanfte Lichteinfall und der leuchtendblaue, Turban-ähnliche Kopfschmuck machen den Zauber dieses Gemäldes aus. Die Farbe Blau war damals selten und kostbar. „Das Vermeer-Blau wurde aus dem Halbedelstein Lapislazuli hergestellt und war so teuer wie Gold", erzählt mir die Farb- und Interieur-Spezialistin Astrid Harding-Voss.

Vermeer war unbestritten der Meister des Lichts. Einblicke in seine Magie, Licht auf Leinwand zu bannen, bekomme ich dank eines Audioguides in deutscher Sprache. Und noch etwas erfahre ich: Vermeer war wie alle Maler seiner Zeit ein Geschichtenerzähler. Es geht um Liebe, Sehnsucht, Verlust und Eitelkeit. Und so zieht dieses Museum mit seinen Geschichten und Vermeers Genie auch Menschen in seinen Bann, die sich ansonsten wenig für Kunst interessieren. 

Vermeer Zentrum, Voldersgracht 21, Delft. Öffnungszeiten: täglich 10 bis 17 Uhr. Danach kann man noch zu einem Vermeer-Spaziergang durch Delft aufbrechen. Den Stadtplan gibt es an der Museumskasse.

Tipp: Zur Stärkung ein „Vermeer-Brötchen“ im naheliegenden, traditionsreichen Stads-Koffyhuis genießen (Oude Delft 133).

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