Mit Kindern im Anne Frank Haus

Ulrike Grafberger, Freitag, 13. Dezember 2013, 1620 Mal gesehen

Mit Kindern im Anne Frank Haus

Wie ein Schulkind sitze ich mit Freunden, anderen Erwachsenen und einer Menge Kindern in einer Stuhlreihe und schaue gebannt auf die große Magnettafel mit den vielen historischen Fotos. Vor uns steht keine Lehrerin, sondern die Museumsmitarbeiterin Marian. Sie wird uns in der nächsten halben Stunde über Anne Frank, ihre Familie, Nationalsozialismus, Pressefreiheit und Weltwirtschaftskrise erzählen. Und dass es bei so einem ernsten Thema auch mal lustig zugehen kann, zeigt das Gespräch über Diktatur und Demokratie. Marian: „Wer von den Erwachsenen kann Diktatur definieren?“ Ein Vater: „Papa ist der Boss.“ Und Demokratie? Die Antwort kam sofort: „Wenn Mama das Sagen hat!“

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Wie ein Schulkind sitze ich mit Freunden, anderen Erwachsenen und einer Menge Kindern in einer Stuhlreihe und schaue gebannt auf die große Magnettafel mit den vielen historischen Fotos. Vor uns steht keine Lehrerin, sondern die Museumsmitarbeiterin Marian. Sie wird uns in der nächsten halben Stunde über Anne Frank, ihre Familie, Nationalsozialismus, Pressefreiheit und Weltwirtschaftskrise erzählen. Und dass es bei so einem ernsten Thema auch mal lustig zugehen kann, zeigt das Gespräch über Diktatur und Demokratie. Marian: „Wer von den Erwachsenen kann Diktatur definieren?“ Ein Vater: „Papa ist der Boss.“ Und Demokratie? Die Antwort kam sofort: „Wenn Mama das Sagen hat!“

Die Leichtigkeit ist schnell vergangen, als uns Marian das Leben der Anne Frank anhand von Fotos beschreibt. Geboren 1929 in Frankfurt am Main, floh die jüdische Familie 1934 vor den Nationalsozialisten nach Amsterdam. Als die Niederlande im Jahr 1940 von den Deutschen besetzt wurden, verloren die jüdischen Mitbürger zunehmend ihre Rechte. Anne musste die Schule wechseln, den Judenstern tragen, und sie durfte nicht mehr ins Kino, was für sie ein herber Schlag war. Im Jahr 1942 tauchte die Familie im heutigen Anne Frank Haus unter. Das damalige Bürogebäude von Annes Vater besteht aus einem Vorder- und einem relativ versteckten Hinterhaus. Beide Bereiche sind durch einen kleinen Durchgang verbunden, der zur Tarnung von einem aufklappbaren Bücherschrank verstellt wurde. Der Bücherschrank ist heute noch an dieser Stelle und dient uns Besuchern als Durchgang ins Hinterhaus.

Das Bürogebäude und das Hinterhaus, in dem Anne Frank mit ihrer eigenen sowie einer befreundeten Familie lebte, sind noch im Originalzustand zu sehen. Es ist ziemlich beklemmend, wenn man sich vorstellt, dass acht Menschen zwei Jahre lang nicht laut reden, nicht husten, nicht rausgehen durften. Doch ein Tagebuch zu schreiben, das war möglich – bis zu dem Tag, an dem das Versteck der Familie verraten und Anne ins Arbeitslager abtransportiert wurde.

Und wie reagierten unsere Kinder auf die Geschichte der Anne Frank? Ich bin ehrlich: Die Atmosphäre im Anne Frank Haus, die den meisten Besuchern das Herz zusammenschnürt, konnten unsere Kinder nicht nachempfinden. Sie waren zum einen zu jung, zum anderen hatten sie das Tagebuch vorher nicht gelesen. Hinzu kommt, dass ein Besuch im Anne Frank Haus aufgrund der vielen Menschen, die im Gänsemarsch hintereinander durch die Räume laufen, lange dauert und anstrengend ist. Abgesehen davon sind viele der Fotos aus dem Konzentrationslager nicht wirklich für Kinder geeignet. Meine Empfehlung: Ein Besuch im Anne Frank Haus ist kein Museumsbesuch im klassischen Sinne, es ist eher ein Eintauchen in die Geschichte und in eine Welt, die nur schwer auszuhalten ist, wenn man sich wirklich darauf einlässt. Kinder sollten zu einen gut darauf vorbereitet, zum anderen alt genug sein.

Tipp: Tickets online über die Internetseite des Anne Frank Hauses  bestellen. Man spart sich dann das Warten in einer langen Schlange und darf stattdessen zum einem festgelegten Zeitpunkt durch die Seitentüre direkt ins Anne Frank Haus. Die von uns besuchte Einführung in das Thema ist ebenfalls über die Website online buchbar. Außerdem gibt es dort viele interessante Informationen, die ebenfalls als Vorbereitung dienen können.

Fotos: Da man im Anne Frank Haus nicht fotografieren darf, wurden uns die Fotos vom Anne Frank Haus zur Verfügung gestellt (Fotografen: Cris Toala Olivares und Juul Hondius).

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