Open Monumentendag: Einblicke in die Geschichte

Ulrike Grafberger , Freitag, 27. September 2013, 440 Mal gesehen

Einblicke in die Geschichte

Er steht rot markiert in meinem Kalender: der Open Monumentendag in Holland, zu Deutsch der Tag des offenen Denkmals. Rund 4.000 Denkmäler, die sonst nicht zu besichtigen sind, öffnen dann ihre Türen. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man einen Blick in sonst verschlossene Burgen, Kirchen, Parlamentsgebäude oder versteckte Hofjes werfen darf.

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Er steht rot markiert in meinem Kalender: der Open Monumentendag in Holland, zu Deutsch der Tag des offenen Denkmals. Rund 4.000 Denkmäler, die sonst nicht zu besichtigen sind, öffnen dann ihre Türen. Es ist schon etwas Besonderes, wenn man einen Blick in sonst verschlossene Burgen, Kirchen, Parlamentsgebäude oder versteckte Hofjes werfen darf.

In diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, am Open Monumentendag einen deutschen Bunker in Scheveningen zu besuchen. Zum einen, weil es ein Teil meiner eigenen Geschichte als Deutsche ist. Zum anderen, weil meine Geschichtskenntnisse in diesem Bereich noch ein paar Lücken aufweisen. Deshalb: Hingehen, anschauen und dabei etwas lernen!

Ich mache mich schon am Morgen auf die Beine, denn der Open Monumentendag wird in Holland sehr gut angenommen und das heißt, dass sich oftmals viele Besucher in den Gebäuden tummeln. Ich habe Glück: Ich bin die Erste im Bunker der Stiftung Atlantikwall in Scheveningen und bekomme ganz persönlich eine Führung von Tim de Mos. Zusammen mit anderen Freiwilligen hat er den Scheveninger Bunker von Sand und anderem Gerümpel befreit und ihn so originalgetreu wie möglich wieder her- und eingerichtet. Und tatsächlich sind in dem Bunker Schlafplätze und Tische, Telefone und Schaltzentralen, Heizungen und Öfen und sogar eine Giftgasreinigungsanlage zu sehen. Man hat das Gefühl, die Soldaten hätten erst vor ein paar Monaten die Räumlichkeiten verlassen – so faszinierend gut ist alles mit Originalgegenständen rekonstruiert worden. Sogar ein altes Schachbrett steht in der Schlafkammer des Bunkers, die Soldaten mussten sich ja irgendwie die Zeit unter der Erde vertreiben.

Der Scheveninger Bunker ist einer von rund 2.000 Bunkern in Den Haag, die zum Atlantikwall gehörten. Der Atlantikwall wurde in den Jahren 1942 bis 1945 von den deutschen Besatzern angelegt und erstreckte sich mit einer unfassbaren Länge von über 2.600 Kilometern von der spanisch-französischen Grenze bis nach Norwegen. Ziel des Atlantikwalls: das Deutsche Reich vor Angriffen der Alliierten zu schützen. Und weil Scheveningen eine strategisch wichtige Rolle als „Stützpunktgruppe“ spielte, wurde es zum Sperrgebiet erklärt. Rund 138.000 Menschen mussten ihr Zuhause verlassen, 3.200 Häuser wurden abgerissen und unzählige Bunker, Panzermauern und Wassergräben errichtet.

Ich habe einen Kloß im Hals, als mir Tim Originalfotos von den „Befehlshabern“ und der zerstörten Den Haager Stadtteile zeigt. Geschichte, die weit weg zu sein scheint, ist plötzlich zum Greifen nahe. Ich sehe Fotos von brennenden Häusern und Karten von strategischen Stützpunkten und dazwischen kleine Utensilien des täglichen Lebens, das auch in einem Bunker einen Platz, wenn auch einen kleinen, einzunehmen scheint: Zahnbürsten, Kämme, Besteck, Streichhölzer – alles Original-Gegenstände aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, mit viel Engagement von Tim und seinem Team aus Freiwilligen zusammengetragen. Mit dem Ziel, dass wir alle daran erinnert werden, dass Kriege und Bunker nie wieder Teil unseres Lebens werden sollten.

Info

Der Museum-Bunker Altlantikwall Scheveningen kann während des Open Monumentendag im September besichtigt  werden, aber auch an jedem ersten Sonntag im Monat (zwischen April und Oktober) von 11 bis 16 Uhr, Eintritt 2 Euro, Lage: Badhuisweg Scheveningen/Den Haag, Straßenbahnhaltestelle Cremerweg (Tram 9).

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