Ostern in Holland

Ulrike Grafberger, Donnerstag, 21. März 2013, 12124 Mal gesehen

Ostern in Holland

Wie feiern die Holländer eigentlich Ostern? So wie wir Deutschen mit Nestsuche und Unmengen von Schokoeiern?

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Ich habe mich mal umgehört: Marielle lädt Freunde und Familie zum Oster-Brunch ein. Susan geht mit Kind und Kegel erst zur Messe, dann zum Ostermarkt. Jaap besucht die Matthäus-Passion, und Janneke freut sich auf den Möbel-Boulevard. Moment mal – auf was?

Ostern zwischen Sessel und Sofa

Tatsächlich ist es in den Niederlanden Tradition, den Ostermontag in einem Möbelgeschäft zu verbringen. Oder besser gesagt, in einem sogenannten Möbel-Boulevard. Einen Möbel-Boulevard gibt es beispielsweise in Groningen. Er vereint 32 Möbelgeschäfte unter einem Dach: Bettenläden, Küchen-Shops, Garten-Center, Einrichtungshäuser – alles, was der Mensch für Haus und Wohnung so braucht. Und ein Blick auf die Website zeigt: Am Ostermontag hat der Möbel-Boulevard sogar einen „Woonshow“-Tag und von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die Möbel-Shoppingmeile Alexandrium in Rotterdam soll es an einem Ostermontag sogar auf rund 15.000 Besucher bringen. Warum eigentlich? Fallen in den Frühjahrswochen plötzlich die Nachttische auseinander, federt die Matratze nicht mehr gut, verschandeln plötzlich Rotweinflecken das weiße Sofa?

Die Möbelkaufmanie zu Ostern soll es seit den 1980er-Jahren geben. Weil man am Ostermontag Zeit und oft nichts Besseres vor hat (das hat man am Ostersonntag erledigt), schaut man eben im Möbelgeschäft vorbei. Außerdem locken Ikea & Co. am Ostermontag mit unwiderstehlichen Preisaktionen. Der ungewollte Nebeneffekt: Verkehrsregelung, Menschenmassen, Schlangestehen. Dann vielleicht doch besser zu Hause bleiben und „Eier ticken“?

Eitje tik

Hartgekochte Eier aufeinander prallen zu lassen ist ein typisch niederländischer Brauch. Und das geht so: Zwei Leute nehmen jeweils ein hart gekochtes Ei in die Hand und schlagen
die spitzen Enden gegeneinander. Wessen Eierschale zuerst kaputt geht, der hat verloren. Dieser Osterbrauch ist so weit verbreitet, dass im Internet sogar Gewinner-Tipps kursieren. Zum Beispiel der folgende: "Nähere dich deinem Gegner sehr schnell, stoppe dann aber in letzter Sekunde, sodass das Ei deines Gegners mit voller Wucht auf dein Ei knallt. Die Chancen stehen gut, dass sein Ei kaputt geht."

Laut der Oster-Statistik der niederländischen Boulevard-Zeitung Telegraaf "tikken" 92 Prozent der Niederländer Ostereier. Rund 40 Prozent der Holländer geht auf Ostereiersuche. Doch mit dem Finden scheinen es die Niederländer nicht so genau zu nehmen: Rund ein Drittel der Suchenden spürt nicht mehr alle versteckten Eier auf. Wenn es also im Sommer irgendwo in Haus und Garten nach verfaulten Eiern riecht: Das könnte ein Überbleibsel von Ostern sein.

Niederländische Oster-Rekorde

Auch in den Niederlanden – vor allem im Osten und Norden – kennt man die Tradition der Osterfeuer. Es gibt sogar einen besonderen Rekord zu vermelden: Das Mini-Dorf Espelo mit rund 370 Einwohnern, gelegen in der niederländischen Provinz Overijssel, hat im Jahr 2012 das größte Osterfeuer der Welt abgefackelt. Laut Guinnessbuch der Rekorde war es 45,98 Meter hoch.

Ebenfalls rekordverdächtig ist eine ganz andere Tradition, nämlich die der Passionen. In keinem anderen Land der Welt soll die Matthäuspassion so beliebt wie in den Niederlanden. Und so pilgern Tausende von Niederländern an Ostern in die Kirchen und Konzertsäle, um drei Stunden lang das Leiden und Sterben von Jesus Christus musikalisch zu verfolgen. Bei der Jugend kommt diese althergebrachte Tradition weniger gut ans: Sie trifft sich lieber in Nordbrabant zum Mega-Oster-Konzert namens "Paaspop". Das dauert nicht nur drei Stunden, sondern ganze drei Tage. Und auch hier wurde wieder ein Rekord aufgestellt: 51.000 Besucher lockte diese Oster-Veranstaltung im vergangenen Jahr an.

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