Utrechter Domturm: Glocken und Geschichten

Ulrike Grafberger, Montag, 30. Juni 2014, 325 Mal gesehen

Utrechter Domturm: Glocken und Geschichten

Sie heißen Salvator, Martinus und Maria, sie sind äußerst schwergewichtig und hausen in einer Höhe von 40 Metern. Es sind die Glocken des Utrechter Doms ... und ich werde sie heute besuchen.

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Sie heißen Salvator, Martinus und Maria, sie sind äußerst schwergewichtig und hausen in einer Höhe von 40 Metern. Es sind die Glocken des Utrechter Doms ... und ich werde sie heute besuchen.

Doch bevor ich Auge in Auge mit diesen gewaltigen Riesen stehe, deren Gesamtgewicht sage und schreibe 32.000 Kilogramm umfasst, muss ich meine eigenen Kilos die Treppen des Utrechter Kirchturms hochschleppen. Gar nicht so einfach, und mit jeder Stufe wächst meine Bereitschaft, meinen inzwischen eingestaubten Crosstrainer zu reaktivieren. Keinerlei Probleme mit seiner Kondition hat dagegen unser Turmführer Jitte. Er kann noch nach 100 Stufen und völlig ohne Atemnot seine Geschichten erzählen. So erfahre ich, dass der Domturm insgesamt 112 Meter hoch ist und somit der höchste Kirchturm der Niederlande. Mit seinem Bau begann man im Jahre 1321, ganze 60 Jahre später war der Turm fertig.

Ein Blick aus dem Fenster macht mich stutzig: Zwischen Kirchengebäude und Domturm klafft eine große Lücke. Gehören Dom und Turm nicht normalerweise zusammen? Jitte erzählt von dem verheerenden Sturm, der im Jahr 1674 in Utrecht wütete und das Langhaus des Doms zum Einsturz brachte. In nur zehn Minuten lag das prachtvolle Kirchengebäude, der Stolz Utrechts, in Trümmern. Der Turm blieb wie ein Wunder unbeschadet.

Ebenso wie die gigantischen Glocken, die wir nun auf halber Höhe des Turms erreichen. Vierzehn der Glocken, die im Jahr 1505 gegossen wurden, sind so immens groß, dass man darunter spazieren kann. Keine einfache Sache, diese Glocken in Bewegung zu bringen. Die Utrechter Läutegilde besteht daher aus 50 Mitgliedern, die mit vereinten Kräften an hohen Festtagen wie Ostersonntag und Weihnachten die Glocken mit der Hand erklingen lassen. Dann kommt auch die große Salvatorglocke mit ihrem Durchmesser von fast 2,3 Metern und ihrem Gewicht von über 8.200 Kilogramm in Schwung.

An allen anderen Tagen ertönt jede Viertelstunde eine kurze Melodie, ein paar Klänge eines Walzers oder eines Bachstückes. Dazu werden die etwas kleineren der insgesamt 50 Glocken im Utrechter Domturm von einer Spieltrommel, die sich im Rhythmus der Zeit dreht, zum Klingen gebracht. Die Trommel wurde im 17. Jahrhundert gebaut – und funktioniert noch immer tadellos.

Damit die Utrechter der Klänge ihres Domturms nicht überdrüssig werden, wechselt alle vier Monate die Melodie. Dann sind fünf Leute zwei Tage lang beschäftigt, um die kleinen Stahlstifte an eine andere Stelle zu setzen. Auch diese riesengroße Spieltrommel ist im Rahmen einer Domturmführung zu sehen. Doch das Highlight kommt noch: Ein Blick von der Balustrade aus einer Höhe von 95 Metern.

Dazu muss ich die restlichen der insgesamt 465 Stufen bewältigen. Doch die Mühe wird belohnt – mit einem fantastischen Blick über die bunten Dächer, das zerteilte Kirchengebäude, auf den idyllischen Klostergarten namens Pandhof und auf eine Stadt, die zu Recht stolz ist auf ihren geschichtsträchtigen Domturm, auf dem ich nun stehen darf.

Infos:

Karten für die Dombesteigung (nur mit Führer) sind im VVV-Laden auf dem Domplein erhältlich. Führungen: Dienstag bis Samstag von 11.00 bis 16.00 Uhr, Sonntag und Montag von 12.00 bis 16.00 Uhr, jeweils zur vollen Stunde. Eine Führung dauert ungefähr eine Stunde.

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