Der Käsemarkt von Alkmaar

Ulrike Grafberger, maandag 22 juli 2013

Rund 2.400 große Käseräder stapeln sich auf dem Platz vor dem schönen alten Gebäude, das die Waagen beherbergt. Dazwischen rennen Männer mit Hüten im Laufschritt umher, um den Käse im Eiltempo vom Platz zur Waage zu bringen. Im Waagehaus werden dann das Gewicht der Käselaibe und damit auch der Verkaufspreis bestimmt. Danach bringen die Käseträger den Käse wieder zurück auf den Platz, wo er seinem künftigen Besitzer ausgehändigt wird. Soweit das Geschehen auf dem Hauptplatz von Alkmaar, das sich im Minutentakt wiederholt. Und um den Platz herum? Dort steht eine ganze Armada von Touristen, die sich dieses freitägliche Schauspiel nicht entgehen lassen möchte. Ich höre viel Deutsch, Englisch und einen Mix aus asiatischen Sprachen. Der Käsemarkt scheint sich bis in die entlegensten Ecken der Welt herumgesprochen zu haben. Kein Wunder, denn der Käsemarkt von Alkmaar ist der größte und meistbesuchte Käsemarkt der Welt.

Doch was passiert hier eigentlich? Im Prinzip wird das Marktgeschehen auf dem Käsemarkt dargestellt, so wie es schon vor 400 Jahren vonstattenging. Mit dem kleinen Unterschied, dass heute nicht mehr wirklich gehandelt wird. Das tut dem Spektakel jedoch keinen Abbruch, und die Käseträger sind mit so viel Elan bei der Sache, dass man meinen könnte, sie wären am imaginären Umsatz beteiligt.

Die Käseträger sind zudem äußerst nett und mitteilsam. So erfahre ich, dass jeder Käseträger einen Spitznamen hat. Das ist Tradition, und diese wird seit Jahrhunderten beibehalten. Man holt also den „Dolmetscher“, der aufgrund seiner Sprachkenntnisse diesen Namen trägt und auch ganz passabel Deutsch mit mir spricht. Andere Spitznamen sind weniger schmückend. Die „Klappe“ scheint gerne zu reden und das „Vergissmeinnicht“ viel zu vergessen. Humor haben sie jedoch alle. Und somit wird auch mal zwischendurch − anstatt der Käselaibe − ein Kind auf die Käsetrage gesetzt und im Laufschritt über den Markt getragen.

Doch warum laufen die alle so komisch? Das sogenannte Käseträgerdribbling sorgt dafür, dass der Laufschritt der beiden Käseträger vereinheitlicht wird, und die Käsetrage nicht gegen ihre Beine knallt. Denn das tut weh, schließlich ist die Holztrage mitsamt Käse gut und gerne 120 Kilo schwer. Also: lieber rennen statt leiden.

Gut zweieinhalb Stunden dauert das Handeln, Prüfen, Wiegen und Herumtragen des Käses. Danach schwirren die Touristen aus, um sich in den Geschäften und an den Marktständen mit köstlichem Gouda und Edamer einzudecken. Appetit hat man sich an diesem Morgen auf dem Käsemarkt in Alkmaar genug geholt.

  • Der Käsemarkt findet freitags von 10.00 bis 12.30 Uhr statt, vom ersten Freitag im April bis zum ersten Freitag im September.
  • Der Käsemarkt liegt im Zentrum von Alkmaar und ist vom Bahnhof aus in gut einer Viertelstunde zu erreichen (gut ausgeschildert).