Die Niederländer und ihr Bier

Amber el Zarow & Harold Verhagen, Freitag, 13. September 2013

Sogar James Bond hat entdeckt, wer das beste Bier braut; in seinem letzten Film trank er ein holländisches Blondes. Mit bereits 678 Brauereien im Jahr 1819 haben die Holländer eine enorme Erfahrung im Bierbrauen gesammelt. Während sich diese Zahl im Laufe der Jahre reduziert hat, hat unser Bier an Aroma und Qualität zugenommen. Die Holländer rangieren auf Platz 14 im Pro-Kopf-Bierkonsum, mit circa 77 Litern  pro Person jährlich. Im Januar 2014 wird das gesetzliche Mindestalter für den Alkoholkonsum von 16 auf 18 Jahre angehoben. Dann werden erstmals in der Geschichte Hollands das Mindestalter für das Führen eines Pkw und das gesetzliche Mindestalter für den Alkoholkonsum identisch sein. 

Die Holländer unterscheiden ‚Bier‘ mit einem Alkoholgehalt von >7 % und ‚Pilsener‘ oder kurz ‚Pils‘ mit ungefähr 4 % Alkohol. Vorsicht mit den Begriffen, denn holländische Bierfans sind ziemlich empfindlich, wenn es um die korrekte Bezeichnung geht. Sie mögen zwar nicht die größten Bierkonsumenten sein, aber das kleine Land ist weltweit größter Bierexporteur. Derzeit werden 1.200.000.000 Liter Bier pro Jahr produziert (2/3 davon für den Export), 3 % dieser Produktion stammt aus kleinen Brauereien. Die Holländer haben viele internationale Bierpreise gewonnen. Dank der reichen Handelstradition und der vielen kulturellen Einflüsse sind die Aromen unserer Biere sehr unterschiedlich. Aber was macht ein gutes Bier eigentlich aus?

Wasser, Wasser und…

Es trifft sich gut, dass die Holländer Experten im Wassermanagement sind, denn vom Anbau des Getreides bis hin zur Reinigung der Brauinstallation sind ungefähr 98 Liter Wasser für jedes holländische Glas Bier (0,33 l) erforderlich. Wenn Ihnen Wein-Liebhaber erzählen, dass Sie Wasser verschwenden, dann können Sie damit kontern, dass für jedes Glas Wein die fast dreifache Menge an Wasser erforderlich ist.

Bier besteht zu 97 % aus Wasser und darüber hinaus sind 3 weitere Zutaten für den Brauprozess erforderlich: Gerste, Hopfen und Hefe. Sie können im Internet nachlesen, wie Bier gebraut wird, aber die weit bessere Option ist der Besuch einer der 160 kleinen holländischen Brauereien. Nachdem Sie zwischen glänzenden Kupferkesseln den Abenteuern des Brauers gelauscht haben, darf natürlich eine Verkostung nicht fehlen.

Der Streit des Brauers

Bierbrauer sind traditionell eng mit der Gesellschaft verbunden, und deshalb spielt soziale Verantwortung für holländische Brauer eine große Rolle. Auch wenn die holländischen Brauer in punkto Energieeffizienz zur Weltspitze der nachhaltigen Brauer zählen, ist der nachhaltige Brauprozess schwierig. Möchte man organisches Bier brauen, muss man den Hopfen aus Neuseeland importieren. Möchte man die Flaschen wiederverwenden, muss man sie mit chemischen Mitteln reinigen. Möchte man ein garantiert reines Bier, muss man die Tanks mit sehr viel Wasser spülen. Eine Sache ist für kleinere Brauereien einfacher: local 2 local. Die meisten kleinen Brauereien brauen die mit ihrer Anlage mögliche Höchstmenge und können mit ihrem Angebot die Nachfrage nicht decken. Warum dann nicht Vergrößern, sagen Sie? In diesem Fall lassen sich Geschmacks-Einbußen kaum vermeiden, da die Kessel dem Bier ein ganz individuelles Aroma verleihen. Bei der Bierproduktion ist Masse nicht gleich Klasse. Gottseidank machen die kleineren Brauereien keinerlei Zugeständnisse, wenn es um das Aroma ihres köstlichen Bieres geht.

Der Römer Tacitus schrieb, wie abstoßend er die primitiven Teutonen  Nordeuropas fand, die Bier anstelle von Wein konsumierten. Tacitus hätte erkennen müssen, dass das Handwerk des Bierbrauens eine wahre Kunst ist. Gottseidank haben sich die Nordeuropäer nicht viel darum geschert, was die Römer dachten, und deshalb nimmt das flüssige Gold bis heute einen wichtigen Platz in der holländischen Kultur ein.

(CBS.nl, NOS.nl, waterfootprint.org, food-info.net)