Ein Strandspaziergang in Scheveningen

Ulrike Grafberger, dinsdag 16 april 2013

Wenn es so richtig stürmt, und ich mich als Süddeutsche mit einem guten Buch aufs Sofa verziehen möchte, dann will ein Holländer am liebsten an den Strand, zum „lekker uitwaaien". Was für mich ja überhaupt nicht zusammen passt, ist „lekker“ und „uitwaaien“. Denn „uitwaaien“ heißt: bei mindestens 6 Windstärken, möglichst kaltem Wind und fliegendem Sand an den Strand gehen. „Uitwaaien“ bedeutet denn auch nichts anderes, als sich den Kopf mal so richtig durchpusten zu lassen.

Gratis-Peeling am Strand

An einem kalten, stürmischen Sonntag mit Windstärke 9 bis 10 ließ ich mich dann überreden, mit an den Strand von Scheveningen zu gehen. Ich dachte, außer uns käme keiner auf die Idee, sich in das Sand- und Meeresschaumgestöber zu stürzen. Aber weit gefehlt. Eine wahre Völkerwanderung fand dort am Strand statt: massenhaft Menschen, die sich den stürmischen Wind um die Nase wehen ließen. Windstärke 9 bedeutet: Es ist ziemlich ungemütlich, ruhig stehenbleiben ist bei einer Windgeschwindigkeit von 75 Stundenkilometern schwierig, ebenso das Laufen gegen den Wind. Außerdem gibt's Gesichtspeeling gratis, rote Backen und Nase auch.
Wir laufen also tapfer den Strand entlang und dem Wind entgegen. Sandkörner in den Augen, zwischen den Zähnen, in den Haaren und Ohren. Überall fliegen Schaumfetzen umher, die sich über den Strand verteilen. Aber eines muss ich zugeben: Der Kopf wird tatsächlich freigepustet.

Aufwärmen bei Chocomel

Doch das Schönste an einem derartigen Strandspaziergang ist das anschließende Aufwärmen. Wenn die sogenannten „strandtenten", also die Strandlokale, aufgebaut sind (zwischen März und Oktober), dann ist es dort natürlich am gemütlichsten. Und wenn es draußen stürmt, schmeckt die heiße Schokolade (Chocomel) besonders gut. Wer sich in weniger stürmische Gefilde zurückziehen möchte, dem kann ich folgende Restaurants im Scheveninger Hafen empfehlen: Bei Simonis (Visafslagweg 20) gibt es fangfrischen Fisch. Zwar ist dies kein gemütliches Restaurant für ein romantisches Dinner zu zweit, sondern eher eine überdimensionierte Fischbude, in der die Gerichte per Lautsprecher ausgerufen werden. Dennoch: Authentischer kann man Fisch in Scheveningen kaum essen. Und relativ günstig ist es auch noch.

Frisch gebrautes Bier und guter Wein

Wer dagegen ein stilvolles Menü auf Sterneniveau genießen möchte – natürlich auch mit feinstem und frischestem Fisch – der ist im Mero (Vissershavensweg 61 e, am ersten Hafen) gut aufgehoben. Während es bei Simonis eher handfest zugeht, wird man hier charmant und fachkundig umsorgt. Zum Fisch werden die passenden Weine serviert, aber auch Fleischliebhaberund Vegetarier kommen auf ihre Kosten. Lieber nur ein Bier und ein paar „bitterballen“ dazu? Dann kommt nun eine Überraschung: Im Hafen von Scheveningen wird eigenes Bier gebraut. Vierzehn Biersorten werden das Jahr über mit reinstem Dünenwasser hergestellt, doch nicht alle Biere sind immer vorrätig. Klassiker sind „Frisse Wind" und „Schevenings Triple". Das Paradies für Bierfreunde heißt Brouwcafé (Doctor Lelykade 28)
und liegt direkt am zweiten Hafen von Scheveningen – toller Blick auf die Schiffe inklusive.

Also beim nächsten Sturm: erst zum Uitwaaien an den Strand und dann zum Fischessen in den Hafen – so lässt sich auch ein böiger Tag perfekt genießen.