Matjeshering – ein Genuss!

Ulrike Grafberger, Mittwoch, 4. September 2013

Immer, wenn mich meine Eltern in Scheveningen besuchen, dann führt ihr erster Weg zum Hafen. „Wir gehen schnell mal Matjes essen!“ Angeblich ist der Hering nirgendwo so gut und frisch wie in Scheveningen.
Kein Wunder, denn in Scheveningen gibt es noch eine Fischereiflotte, die den Hering fangfrisch in den Hafen bringt, wo er dann in diversen Läden und Restaurants angeboten wird. Der Hering hat hier Tradition, was auch das Wappen von Scheveningen zeigt: Es besteht aus drei Heringen.

Was genau sind Matjesheringe? Der Name Matjes kommt vom niederländischen Wort maatjesharing, das wiederum eine Anlehnung an das Wort maagd (junges Mädchen) ist. Demnach sind Matjes junge Heringe, die gefischt werden, bevor sie geschlechtsreif sein. Sie sind besonders zart.

Gefangen wird der Hering in der Nordsee, das Fanggebiet geht hoch bis nach Schottland und Norwegen. Das bringt eine lange Fahrt zurück in den holländischen Hafen mit sich. Damit der Hering haltbar bleibt, kamen die Holländer schon im Mittelalter auf die Idee, den Fisch in Salz einzulegen. Auf vier Tonnen Hering kam eine Tonne Salz. So konnte der Hering noch an Bord ausgenommen, in Salz eingelegt und damit wochenlang haltbar gemacht werden. Diese Entdeckung läutete den Beginn der überaus erfolgreichen niederländischen Heringsfischerei ein.

Der Heringsfang prägte in vielen holländischen Küstenorten den Alltag. Die Fischer waren meist wochenlang auf See, Frauen und Kinder blieben an Land zurück. Oftmals gingen die Knaben bereits mit zehn Jahren an Bord, eingesetzt wurden sie für das Kehlen, also das Ausnehmen der Heringe. Wie viele der Männer und Jungen in den stürmischen Fluten ihr Leben verloren, davon zeugen in den holländischen Küstenorten die Fischerdenkmäler, zu sehen auch am Boulevard von Scheveningen. Erschütternde Bilanz der letzten zwei Jahrhunderte: 1.366 Scheveninger kehrten nie wieder zurück.

Und heute? Die erste Heringe, die von der Fischereiflotte im Juni gefangen und dann in den Hafen von Scheveningen gebracht werden, werden jedes Jahr mit einem großen Fest, dem Vlaggetjesdag, feierlich begrüßt. Wochenlang stürzen sich die Holländer danach auf den „neuen Hering“. Traditionsgemäß isst man ihm am Stück, in Zwiebelstücke getunkt und am Schwanz gepackt. Dann den Kopf zurücklehnen und den Fisch langsam in den Mund absinken ... Zur Krönung gibt es einen Jenever. Lassen Sie es sich schmecken!