Mit Suppe durch Rotterdam

Ulrike Grafberger, vrijdag 20 december 2013

Heute steht eine Tour mit der Snerttram auf dem Programm. Snerttram? Ein Wort mit doppelter Bedeutung und einer netten Anekdote:  Als die Restaurant-Chefin Anne Paerel an einem eiskalten Wintertag an der Straßenbahnhaltestelle auf die Tram wartet, und diese einfach nicht kommen will, fängt die attraktive ältere Dame, deren Aussehen an eine Opern-Diva erinnert, zu schimpfen an: „Wo bleibt nur diese Snerttram?“ – „Wo bleibt die blöde Straßenbahn?“. Und als die Snerttram nach langem Warten endlich auftaucht, war auch gleich eine neue Idee geboren: Snert – warum nicht auch in einer Straßenbahn Snert (diesmal im Sinne von Erbsensuppe) essen? Die wärmt, passt gut zur kalten Jahreszeit und ist sowieso der Holländer liebstes Winteressen.

Gedacht, getan. Doch bis die Snerttram mit der Erbsensuppe tatsächlich über die Gleise der Stadt Rotterdam fahren konnte, mussten noch so einige Hürden bewältigt werden. Wie sollte man das bezahlen? Wie ist das mit der Straßenbahn-Dienstregelung? Und überhaupt – wo bekommt  man eine Straßenbahn her? Doch Anne Paerel gibt so schnell nicht auf. Inzwischen fährt die Snerttram seit fast 20 Jahren durch die Stadt Rotterdam. Sie hat Kultstatus in Rotterdam und ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Auch uns holt die Snerttram pünktlich zur Abfahrtszeit von der Straßenbahnhaltstelle vor dem Restaurant Brazzo ab, das die Fahrten organisiert. Verspätungen werden nicht geduldet, denn schließlich muss sich auch diese historische Straßenbahn aus den 1960er-Jahren an den Fahrplan halten. Rund eineinhalb Stunden fährt uns die Tram durch Rotterdam – vorbei an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten wie dem Museumshafen, den berühmten Kubushäusern, der neuen gigantisch großen Markthalle, weiter durch die Innenstadt und dann über die Erasmus-Brücke zum bekannten Fußballstadion De Kuip. Und wir kommen auch an De Rotterdam vorbei, dem neuesten Gebäude in Rotterdams Skyline, aufgrund seiner Größe als vertikale Stadt bezeichnet.

Während der Fahrt beschreibt uns ein waschechter Rotterdamer die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. Und zwischendurch sorgt ein Akkordeonspieler für musikalische Untermalung. Überhaupt ist es sehr gemütlich in dieser alten Straßenbahn, die von außen so aussieht, als sei sie volle Pulle durch eine Schüssel Erbsensuppe gefahren, und drinnen mit Lichterketten, Holzschuhen und Plastiktulpen dekoriert ist – eben echt holländisch. Und nicht zu vergessen: Während der Fahrt schlemmen wir herrliche Erbsensuppe. Denn was wäre eine Snerttram ohne echten Snert?

Info: Die Snerttram fährt samstags und sonntags von Oktober bis März. Die Tickets (15 Euro für Fahrt und Erbsensuppe) gibt es online beim Restaurant Brazzo oder über den VVV Rotterdam. Die Erklärungen vom Tour Guide während der ganzen Fahrt sind in Niederländisch.