Radeln durch die Speisekammer Hollands

Ulrike Grafberger, dinsdag 9 juli 2013

Bestens vorbereitet stehe ich im Fremdenverkehrsbüro (VVV) von Kamperland. Fahrrad ist reserviert, Übersichtskarte ausgedruckt. Wir möchten zur kulinarischen Radtour durch Noord-Beveland, eine zeeländische Halbinsel, aufbrechen. Fehlt nur noch eine detaillierte Radwegekarte mit allen Seitenstraßen. Man weiß ja nie, mein Orientierungssinn ist nicht der beste. Die freundliche Dame blickt kurz auf meine Mini-Karte: „Prima, die ist ausreichend.“ Ungläubig schaue ich sie an. „Die Knotenpunkte sind wichtig. Glauben Sie mir!“ Sie sollte Recht behalten. Das niederländische Radwegenetz ist so gut ausgebaut, dass man an jeder Kreuzung einen sog. knooppunt, einen Knotenpunkt findet. Der Knotenpunkt hat eine Nummer und gibt die Richtung zum nächsten Knotenpunkt an. Alle Achtung – das ist wirklich kinderleicht. Und wir haben uns kein einziges Mal verfahren.

Unsere kulinarische Radtour führt uns auf einer Streckenlänge von 41 Kilometern durch endlose Getreidefelder und Kartoffeläcker, vorbei an Schafen und Kühen. Wir sehen in der Sonne Austernschalen glitzern, die Möwen aus dem Meeresarm der Oosterschelde gepickt haben, um sie aus der Luft auf die Steine der Uferbefestigung fallen zu lassen. So springen sie auf und geben ihren köstlichen Inhalt preis. Die Halbinsel Noord-Beveland wird vom Veerse Meer und der Osterschelde umgeben. An beiden zieht sich unser Radweg entlang, und beide sind nicht nur beliebte Segelreviere, sondern auch Austern- und Muschelzuchtgebiete sowie Heimat des berühmten Oosterschelde-Hummers.

Und somit liegen auf der Strecke auch viele Restaurants, die frische Muscheln, Hummer, Kalbsbries, Lamm, zeeländischen Käse, Austern und zeeländischen Wein anbieten. Hoppla - Wein soll hier auch wachsen? Ja, und zwar Grauburgunder, Rivaner und Auxerrois, der sogar von der niederländischen Fluggesellschaft KLM ausgeschenkt wird. Auch Bier wird auf der Halbinsel Noord-Beveland gebraut, und zwar von der Brauerei Emelisse in Kamperland.

Wir haben die kulinarische Radtour durch die fruchtbare Landschaft Zeelands sehr genossen. Gutes Essen aus der Speisekammer Zeelands gibt es tatsächlich an jeder Ecke. Doch ich muss zugeben: Essen fällt mir leichter als Radfahren.
Tipps:

  • Ausgangspunkt ist Kamperland. Dort kann man sich auch ein Fahrrad mieten (7 Euro per Tag).
  • Entlang der Strecke gibt es neben Restaurants auch „Fahrrad-Cafés“, die sich auf Radfahrer eingestellt haben (u.a. Abstellplätze für Fahrräder) sowie ANWB fietsservicepunten (Servicestationen), an denen man platte Reifen reparieren oder Akkus für E-Räder aufladen kann.
  • Die genannte Radtour kann individuell verkürzt oder ausgedehnt werden.
  • Ein hervorragendes Muschel- und Fischrestaurant liegt ebenfalls auf der Halbinsel Noord-Beveland: de Katse Kaai im Hafen von Kats. Wir waren zweimal spontan dort und haben leider nie einen Platz bekommen. Also: unbedingt im Voraus reservieren.
  • Um all die Köstlichkeiten, die der zeeländische Boden und das Meer drumherum hergeben, ausgiebig genießen zu können, bietet der VVV in Kamperland die „Amuse Fietstocht“ (kulinarische Radtour) an, bei der per Rad verschiedene Restaurants angefahren werden. Die Tour kann individuell gestaltet werden, und man hat Auswahl aus zwölf verschiedenen Restaurants.