Rotterdam kulinarisch

Ulrike Grafberger, vrijdag 11 oktober 2013

Mein Magen knurrt – die beste Voraussetzung für einen Besuch beim World Food Festival in Rotterdam. Ich mache mich auf den Weg in die Hafenstadt an der Maas.

Im Rotterdamer Zentrum angekommen treffe ich Kim, die mir ihre Stadt zeigen wird. Doch bevor es losgeht, stärken wir uns mit herrlichem Hummus, marokkanischem Zaalouk, türkischem Haydari und nordafrikanischen Merguez. Es schmeckt fantastisch in diesem „Welt-Esshaus“ in der Rotterdamer Witte de Withstraat. Gut gestärkt besuchen wir dann den DakAkker. Der Dachacker auf dem Gebäudekomplex Schieblok ist ein Urban Gardening-Projekt, das sich auch in Rotterdam – so wie in vielen anderen Städten rund um den Globus – immer größerer Beliebtheit erfreut. Und so sprießen hier in luftiger Höhe Kürbisse und Kohlköpfe in den Stadthimmel, liebevoll gepflegt von ein paar netten und engagierten jungen Männern. Abnehmer für das Dachacker-Gemüse und -Obst gibt es genug. Einer von ihnen ist Jim de Jong, der jüngste Chefkoch Hollands, dessen Restaurant in einem der denkmalgeschützten Eisenbahnbögen neben dem Schieblok untergebracht ist. Sein Konzept ist selbstbewusst: Es gibt jeden Tag zwei 4-Gänge-Menüs, eines mit Fleisch, das andere nur mit Gemüse. Was genau auf den Tisch kommt, verrät er nicht. Man lässt sich überraschen - und von den ausgefallenen Geschmackskombinationen wie Birne mit Grünkohl verführen.

Weiter geht’s zum Future Food House, einem großen Gewächshaus im Museumspark, in dem während des World Food Festivals die neuesten Trends aus dem Bereich Essen und Lebensmittel gezeigt werden. Holen wir uns in Zukunft unsere Proteine über Insektenmehl und ernähren wir uns nur noch mit Pillen? Wie können wir Fleisch ersetzen und essen wir bald einen fleischlosen Ponti-Schenkel (der Pontikos Volcanae ist ein von der Künstlerin Marije Vogelzang erfundenes Tier)? Und welche Emotionen verbinden wir eigentlich mit Essensgerüchen? Auch wenn manche Zukunftsvisionen wie der 3-D-Drucker, der in jeder Küche stehen sollte und aus Reststoffen neue Lebensmittel herstellt, noch sehr weit weg erscheinen – sie sind auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Und während ich mit ein paar Holländern und Engländern vor dem Future Food House über die Zukunft des Essens diskutiere und wir dabei an Erbsenkresse herumknabbern, wird deutlich: Essen verbindet. Essen verbindet Menschen, Kulturen, Kunst und Wissenschaft. Und unsere Lebensmittel sowie unser Essverhalten werden sich in Zukunft mit Sicherheit stark verändern. Rotterdam steht solchen Trends schon heute sehr offen gegenüber und bietet ihnen u.a. mit dem World Food Festival eine hervorragende und inspirierende Plattform.

Adressen:

  • Basar, Welt-Restaurant und Hotel, Witte de Withstraat 16
  • Dachacker Schieblok, im Erdgeschoss schöner Laden mit Entwürfen von Rotterdamer Designern, Schiekade 189
  • Restaurant De Jong Boog 1, Raampoortstraat 38