Schwimmende Architektur

Jeroen Apers, Montag, 18. März 2013

Die Holländer lieben es nicht nur nahe am Wasser zu leben – denken Sie an die berühmten Grachtenhäuser – sondern sogar auf dem Wasser. Ein spektakuläres Beispiel ist das Hausboot De Omval in Amsterdam, gestaltet von den jungen Architekten von +31 architects. Ein futuristisches Gebilde mit abgerundeten Ecken und einer Glasfassade. Der Innenraum ist auf zwei Ebenen verteilt, mit offenem Durchgang von der Dachterrasse zum Schlafzimmer im Erdgeschoss. Und der Blick über das Wasser lässt einen fast vergessen, dass man sich mitten in einer belebten Großstadt befindet.

Im neuen Wohngebiet IJburg ist mit der Waterbuurt die größte schwimmende Wohnanlage der Welt entstanden. IJburg liegt etwas außerhalb von Amsterdam und wurde auf Inseln oder aufgeschüttetem Sand erbaut. Die dazu gehörige Waterbuurt besteht aus 150 schwimmenden Häusern. Einige davon wurden von den Bewohnern selbst gestaltet, andere von der Architektin Marlies Rohmer. Das Bemerkenswerte dabei ist, dass man nicht sofort erkennen kann, ob es sich um gewöhnliche Häuser oder um Hausboote handelt.

Auf dem Fluss Maas in Rotterdam entstand ein schwimmender Pavillon, der aussieht, als ob jemand eine große Waschpulverschachtel ins Wasser geworfen hätte. Das Gebilde wurde von Public Domain Architects und Delta Sync entworfen und besteht aus drei kreisförmigen Konstruktionen, die mit einander verbunden sind. Es soll ein Pilot für innovative, nachhaltige schwimmende Konstruktionstechniken sein und dient als Ausstellungszentrum zu diesen Themen. Um Gewicht zu sparen, ist die Struktur anstelle von Glas- mit Folienfenstern ausgestattet, und abends, wenn die Räume beleuchtet sind, entsteht dadurch ein ganz besonderes Bild.

Auch ich habe eine große Affinität zum Wasser und bin deshalb in zwei Wohnboot-Projekte involviert, mit der Aussicht auf einem davon künftig zu wohnen und zu arbeiten. Im Rahmen des Schoonschip Projekts soll eine Gemeinschaft von 30 Hausbooten entstehen. Wir untersuchen derzeit, wie wir das Wasser für möglichst nachhaltige Wohnbedingungen nutzen können. Und nächstes Jahr wird auf dem angrenzenden Grundstück das Projekt De Ceuvel starten. Wir werden auf dieser verunreinigten und verlassenen Werft einen Garten mit verschiedenen Pflanzen und Gräsern anlegen, die den Boden reinigen. Man nennt das Phytoremediation. Ehemalige Wohnboote dienen als alternativer Arbeitsplatz in diesem ‚verbotenen Garten‘, und ich kann gar nicht sagen wie sehr ich mich darauf freue, in dieser Oase aus Gras, Pflanzen und Bäumen zu arbeiten.