Ausstellung Schlachtfeld-Archäologie

75 Mal gesehen

20. Februar 2017

Ausstellung Schlachtfeld-Archäologie

Nie zuvor in ausländischen Museen präsentierte Plastiken ’s-Hertogenbosch, 6. Februar 2017 – Zwei Plastiken, die in den 1930er Jahren von den Nazis als „Entartete Kunst“ in Beschlag genommen worden waren und die man vor sieben Jahren bei einer Ausgrabung mitten in Berlin wiederfand, werden in der Ausstellung Ausgegrabener Krieg.

Weiter

Nie zuvor in ausländischen Museen präsentierte Plastiken

’s-Hertogenbosch, 6. Februar 2017 – Zwei Plastiken, die in den 1930er Jahren von den Nazis als „Entartete Kunst“ in Beschlag genommen worden waren und die man vor sieben Jahren bei einer Ausgrabung mitten in Berlin wiederfand, werden in der Ausstellung Ausgegrabener Krieg. Schlachtfeld-Archäologie (28. Januar bis 14. Mai 2017) in Het Noordbrabants Museum in ’s-Hertogenbosch gezeigt. Es betrifft Schwangere, eine (beschädigte) Terrakotta-Plastik von Emy Roeder aus dem Jahr 1918 sowie das etwa 1920 in Bronze gegossene Bildnis der Schauspielerin Anni Mewes, der damaligen Freundin des Bildhauers Edwin Scharff. Die Berliner Plastiken illustrieren den kulturellen Terror des Dritten Reichs und die besondere Bedeutung der archäologischen Erforschung von Funden aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Bundesrepublik Deutschland hat sie als Leihgabe zur Verfügung gestellt und nun werden sie zum ersten Mal museal außerhalb von Deutschland präsentiert.

Die Grabungen am Roten Rathaus

Im Januar 2010 führten Archäologen auf der Suche nach mittelalterlichen Spuren eine Grabung am Roten Rathaus in Berlin Mitte durch. Dabei entdeckten sie Metallobjekte, die bei genauerer Recherche moderne Skulpturen und Plastiken zu sein schienen. Schon schnell stellte sich heraus, dass es sich um Plastiken handelte, die in den 1930er Jahren vom Naziregime beschlagnahmt worden waren, da sie den Kunstkriterien des Dritten Reichs nicht entsprachen. Einige davon hatte man sogar auf der berüchtigten Ausstellung Entartete Kunst gezeigt, die 1937 in München eröffnet und anschließend in anderen deutschen Städten zur Schau gestellt worden war. Schon im November 2010 wurden elf restaurierte Plastiken und Fragmente in dem gerade erst renovierten und neu eröffneten Neuen Museum in Berlin präsentiert - mittlerweile auf einem Ehrenplatz.

Geraubt, vermeintlich verschollen, erhalten geblieben

In den Augen der Nazis galt so ziemlich jede Form von moderner, und auf jeden Fall abstrakter bildender Kunst als „entartet“, weil diese Kunstformen nicht das Lebensgefühl der gesunden „arischen“ Bevölkerung zum Ausdruck brachten. Moderne Werke jüdischer Künstler betrachteten sie mit Sicherheit als Volksbetrug. 1937 wurden überall in Deutschland moderne Werke aus Museen geholt und beschlagnahmt. Einen Teil davon präsentierte man noch im gleichen Jahr auf der Ausstellung Entartete Kunst, mit dem Ziel, das deutsche Publikum von der Minderwertigkeit „nicht-völkischer“ Ausdrucksformen der Kunst zu überzeugen. Werke von berühmten Künstlern verkaufte das Regime anschließend ins Ausland; einen kleinen Teil gab es zurück, ein anderer Teil wurde vernichtet oder eingelagert. Dazu gehörten auch die 2010 ausgegrabenen Skulpturen und Plastiken. Man hatte sie in einem Gebäude an der Berliner Königsstraße (heute: Rathausstraße) gelagert, das 1944 bei einer Bombardierung vollkommen ausbrannte. Eine unbekannte Anzahl von Kunstwerken ging verloren. Einige Plastiken aus Bronze, Keramik und Beton stürzten durch die brennenden Fußböden in die Tiefe und landeten im Keller. Dort blieben sie, wenn auch verbrannt und beschädigt, erhalten.

Großen Eindruck

Die Entdeckung des Berliner Skulpturenfunds machte in Deutschland großen Eindruck. Sie gab der historischen und kunsthistorischen Studie über die Rolle von Kunst und Künstlern im Dritten Reich einen neuen Impuls. Die Plastiken werden normalerweise nur als komplette Sammlung ausgeliehen. Ganz ausnahmsweise konnte Het Noordbrabants Museum zwei Plastiken separat als Leihgabe für die Ausstellung Ausgegrabener Krieg erhalten. Zwischen zahlreichen gezeigten Restbeständen von Waffen und Ausrüstung repräsentieren die restaurierten, jedoch sichtbar von Schäden geprägten Plastiken einen besonderen Aspekt der noch jungen Disziplin der Schlachtfeld-Archäologie. 

Über die Künstler

Emy Roeder (1890-1971) schuf in expressionistischem Stil. 1934 ließ sie sich in Italien nieder und blieb dort bis nach dem Krieg. Während ihrer Abwesenheit wurde die Plastik Schwangere, wofür sie mit einem Preis ausgezeichnet worden war, auf der Ausstellung Entartete Kunst gezeigt. Nach dem Krieg setzte sie ihre Karriere in Westdeutschland fort. Edwin Scharff (1887-1955) hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg als Bildhauer einen großen Namen gemacht; er war Professor an einer Kunstakademie. Im Vergleich zu den Werken von Emy Roeder wirkt sein Œuvre wesentlich traditioneller, wie an dem Bildnis aus Bronze von Anni Mewes erkennbar ist. Als Auftragsbild schuf er ein Porträt des Präsidenten von Hindenburg sowie monumentale Werke, die noch heute im öffentlichen Raum zu sehen sind. Dennoch wurden viele seiner Werke von den Nazis beschlagnahmt. Die SS zerstörte sein Atelier und er erhielt sogar ein Arbeitsverbot. Nach 1945 konnte er seine Karriere wieder aufnehmen.

Über Ausgegrabener Krieg

Die Ausstellung Ausgegrabener Krieg. Schlachtfeld-Archäologie bietet zum ersten Mal einen umfassenden Überblick über archäologische Funde, die von Kriegshandlungen oder Kriegsumständen im Boden erhalten geblieben sind. Die Funde und ihr Kontext vermitteln ein einzigartiges Bild des gewalttätigen menschlichen Handelns von der Steinzeit bis hin zum Kalten Krieg. Die Ausstellung wird am Samstag, den 28. Januar mit einem umfassenden Programm mit Vorträgen und Führungen eröffnet. Teilnahme ist beim Vorlegen einer Eintrittskarte gratis. Für eine Teilnahme an den Aktivitäten ist eine Reservierung vorab nicht notwendig.

Besucherinformationen

Het Noordbrabants Museum
Verwersstraat 41,’s-Hertogenbosch, Niederlande
T +31-(0)73 – 6 877 877 877
hnbm.nl
Geöffnet: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr.
Geschlossen: Montag (außer an Feiertagen), Neujahrstag, Karneval, Königstag und 1. Weihnachtstag.

Online-Tickets sind erhältlich via tickets.hnbm.nl

--- HINWEIS FÜR DIE REDAKTION ---

Sie können Bildmaterial in hoher Auflösung über www.hnbm.nl/pers/strijd herunterladen.
Für Fragen über die Ausstellung: Het Noordbrabants Museum, Abteilung Kommunikation und Marketing
Ms. Neeltje van Gool, Tel. +31 (0)73-6877 815 oder [email protected]