Kunst- und Kulturnews aus den Niederlanden

15. Mai 2019

Mondrian & De Stijl
Wiedereröffnung Museum De Lakenhal in Leiden 

2017 hat sich das Gründungsdatum der Künstlergruppe De Stijl zum hundertsten Mal gejährt. Das Museum De Lakenhal hatte aus diesem Anlass das Bild „Contra-composition VII“ von Theo van Doesburg (1883-1931) erworben, der 1917 in Leiden die Zeitschrift De Stijl ins Leben gerufen und der Bewegung somit den Weg geebnet hatte.

Das streng geometrische Bild gilt als ein Schlüsselwerk der um maximale Simplizität und Ausdruckskraft bemühten Gruppe. Öffentlich zu sehen war das Werk mit dem sperrigen Namen in Leiden bislang nicht, weil das Ausstellungshaus seit Oktober 2016 wegen einer umfassenden Sanierung geschlossen war. Nun hat die Zeit des Wartens bald ein Ende: Am 20. Juni wird die Lakenhal feierlich wiedereröffnet. Neben der Neuerwerbung werden dann auch wieder andere Werke van Doesburgs und seiner Zeitgenossen zu sehen sein.

Die Wirkungsgeschichte eines weiteren Protagonisten von De Stijl steht im Mittelpunkt eines Museums in Winterswijk. Dort zeigt die Villa Mondrian noch bis zum 22. September die Ausstellung „Face Off: Mondrian vs. heutige Künstler“. Wie der Titel bereits andeutet, treten die abstrakten Porträts Mondrians in den Dialog mit Werken zeitgenössischer Künstler wie Philip Akkerman und Maayke Schuitema. Weitere Einblicke in die Ideenwelt des Kollektivs bietet das Rietveld-Schröder-Haus in Utrecht, das zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Informationen

Museum De Lakenhal, Oude Singel 32, 2312 RA Leiden, Tel. 0031 71 516 53 60, Wiedereröffnung am 20. Juni 2019, Öffnungszeiten werden noch bekanntgegeben, Villa Mondrian, Zonnebrink 4, 7101 NC Winterswijk, Tel. 0031 543 51 54 00, Di–So 11–17 Uhr.
Weitere Informationen: www.lakenhal.nl, villamondriaan.nl und www.holland.com/highlights

Mauritshuis Den Haag
Das sich wandelnde Bild vom Namensgeber 

Das Mauritshuis gehört zu den bedeutendsten Museen nicht nur der Niederlande, sondern ganz Europas. Seit 1822 befindet sich die Königliche Gemäldegalerie in dem prächtigen klassizistischen Palais in Den Haag. Doch wer war eigentlich dieser Maurits, der sich sein Domizil in bevorzugter Lage am Hofvijver hat bauen lassen? Dieser Frage geht das Ausstellungshaus noch bis zum 7. Juli nach.

Ein genauerer Blick auf die Identität des Mannes offenbart rasch, um welch komplexes, aktuelles und brisantes Thema es sich dabei handelt. Der Namenspatron nämlich wurde 1604 als Johann-Moritz Fürst von Nassau-Siegen im deutschen Dillenburg geboren. Somit entstammte er demselben Adelsgeschlecht, aus dem auch das niederländische Königshaus der Oranier hervorgegangen ist.

Seit 1621 befand sich Moritz im Dienste der Republik der Vereinigten Niederlande, für deren Westindien-Kompagnie er 1636 nach Brasilien entsandt wurde. Dort gelang dem Feldmarschall der Aufbau einer lukrativen Zuckerproduktion. Während er sich daheim ein Palais errichten und als Kunstkenner bewundern ließ, hatte Maurits in Brasilien nicht nur die koloniale Ausbeutung, sondern auch die Einführung der Sklaverei zu verantworten.

Seit einigen Jahren nun wird in den Niederlanden eine emotionale Diskussion über den Umgang mit diesem Aspekt der eigenen Geschichte geführt. Dabei steht neben der Kolonialvergangenheit auch eine Neubewertung der Rolle jenes Mannes im Raum, der bis dato wie selbstverständlich als Namenspatron der Königlichen Gemäldegalerie fungierte. Wohl wissend, dass die Meinungsbildung ein langer Prozess sein wird, öffnet das Mauritshuis nun mit Hilfe von Exponaten aus der eigenen Sammlung erstmalig die Türen in diese Richtung.

Informationen

Imagewechsel - Auf der Suche nach Johan Maurits (4. April bis 7. Juli)
Mauritshuis, Plein 29, 2511 CS Den Haag, Tel. 0031 70 30 23 456, noch bis 7. Juli 2019, Mo 13–18, Di–So 10–18, Do bis 20 Uhr.
Weitere Informationen: www.mauritshuis.nl und www.holland.com/highlights

Kröller-Müller Museum in Otterlo
Zuwachs für den Skulpturengarten

Gleich um vier Attraktionen ist der Skulpturengarten des Kröller-Müller-Museums bei Arnheim in diesem Frühling gewachsen. Dabei handelt es sich um Werke von Bill Woodrow, Herman de Vries, Sol LeWitt und Jan van Munster. Während die drei letztgenannten Skulpturen durch Schenkungen in den Besitz des Museums übergegangen sind, konnte das 2001 von Woodrow vollendete Werk „Rockswarm“ mit Mitteln der niederländischen „BankGiro Loterij“ finanziert werden.

Die Arbeit des Briten setzt sich mit Struktur und Ordnungssinn von Bienenvölkern auseinander. Einsichten, die aus erster Hand stammen, denn Woodrow ist selbst Imker. Ein streng geometrisches Gegenstück liefert derweil Sol LeWitt, dessen „Six-sided tower“ auch als architektonisches Denkmodell verstanden werden kann. Jan van Munster steuert unterdessen eine Kugel mit einem Durchmesser von 172 Zentimetern bei, während die „my poetry is the world“ betitelte Arbeit von de Vries sich dem geschriebenen Wort widmet.

Die gepflegten Außenanlagen des Kröller-Müller-Museums beherbergen einen der größten Skulpturenparks Europas: Auf einer Fläche von 25 Hektar sind mehr als 160 Skulpturen verteilt, darunter Werke von so unterschiedlichen Künstlern wie Jean Arp, Claes Oldenburg, Auguste Rodin und Richard Serra. Die beste Aussicht über den Park genießt man über die sogenannte „Kijk Uit Attention“. Der Künstler Krijn Giezen hat sein Werk als ‚ungewöhnlichen Waldspaziergang‘ konzipiert. Die Wanderung besteht aus einem Pfad, der mit dem Bild „Geweih“ von John Raedecker beginnt und mit einer 87 Meter langen Treppe endet, die über die Bäume auf dem Französischen Berg führt.

Das Museum an sich besitzt mit 90 Gemälden und 180 Zeichnungen die zweitgrößte Van-Gogh-Sammlung der Welt. Darüber hinaus ist es bekannt für Spitzenwerke moderner Meister wie Claude Monet, Georges Seurat, Pablo Picasso und Piet Mondriaan.

Informationen

Kröller-Müller Museum, Houtkampweg 6, 6731 AW Otterlo, Tel. 0031 318 59 12 41, Di–So 10–17 Uhr
Kijk Uit Attention (1986-2005), Krijn Giezen (1939 - 2011), während nl. Schulferien und an Feiertagen von April bis November, 11-16 Uhr.
Weitere Informationen: www.krollermuller.nl und www.holland.com/highlights

Van Gogh Museum Amsterdam
Van Gogh und die Sonnenblumen

Vincent van Gogh hatte seinen eigenen Blick auf die Welt. Davon zeugt unter anderem die Art und Weise, wie er Sonnenblumen auf Leinwand verewigt hat. Der niederländische Maler (1853-1890) hat dem Motiv eine ganze Serie gewidmet – allein eine mit 15 Blumen bestückte Vase existiert in fünf Versionen.

Eine davon ist im Amsterdamer Von Gogh Museum zu sehen, das die weltweit umfangreichste Sammlung mit Gemälden des Meisters besitzt. Zu Jahresbeginn wurde das 1889 vollendete Werk behutsam restauriert. Auch darüber hinaus haben sich Forscher verstärkt mit der Passion des Malers für das Motiv beschäftigt. Ihre Erkenntnisse präsentiert das Van Gogh Museum ab dem 21. Juni im Rahmen einer kleinen Ausstellung. Diese geht unter anderem der Frage nach, welche Bedeutung die Sonnenblume für den Maler hatte und warum er sich immer wieder in wechselnden Umgebungen von ihren changierenden Farben und unterschiedlichen Lebensphasen hat inspirieren lassen.

Anhand des hauseigenen Exponats sind die Forscher der Frage nachgegangen, ob die Farben noch ihren ursprünglichen Tönen entsprechen. Auch haben sie sich Gedanken darüber gemacht, wie das Gemälde am besten für nachfolgende Generationen konserviert werden kann. Dabei sind sie zwar zu der Schlussfolgerung gelangt, dass der Zustand der Sonnenblumen an und für sich stabil ist. Gleichzeitig aber ist es anfällig für Erschütterungen und Veränderungen von Lichtverhältnissen und Luftfeuchtigkeit. Als Konsequenz daraus wird das Museum das Gemälde in Zukunft nicht mehr für Ausstellungen auf fremden Boden zur Verfügung stellen.

Informationen

Van Gogh und die Sonnenblumen (21. Juni bis 1. September)
Van Gogh Museum, Museumplein 6, 1071 DJ Amsterdam, Tel. 0031 20 57 05 200, tgl. 9–18 (zwischen 21.06. und 01.09.2019 tgl. 9-19 Uhr), Fr, Sa bis 21 Uhr, Tickets nur online erhältlich. Weitere Informationen: www.vangoghmuseum.nl und www.holland.com/highlights

Rijksmuseum Amsterdam
Offene Operation an der Nachtwache

Das Rijksmuseum in Amsterdam beginnt im Juli mit dem größten Forschungs- und Wiederinstandsetzungsprojekt seiner Geschichte: der Restaurierung von Rembrandts „Nachtwache“. Mit Hilfe neuer Techniken haben die hauseigenen Wissenschaftler nunmehr die Möglichkeit, durch die Leinwand hindurchzuschauen. Davon erhoffen sie sich neue Aufschlüsse zum Beispiel darüber, warum sich die Farbe einzelner Motive seit geraumer Zeit verändert.

Anlässlich des 350. Todestages Rembrandts ist dabei alles dem Ziel untergeordnet, eines der bedeutendsten Gemälde der Kunstgeschichte für künftige Generationen zu konservieren. Die Arbeiten finden hinter Glasscheiben in jenem Saal statt, in dem die Nachtwache auch sonst zu sehen ist. Auf diese Weise haben Museumsbesucher Gelegenheit, live dabei sein. Gleichzeitig wird die Restaurierung auch online übertragen.

Zum Anfassen nahe sind auch die Exponate im Skulpturengarten des Rijksmuseums, wo ab dem 25. Mai Werke von Louise Bourgois (1911–2010) ausgestellt werden. Mit Hilfe von insgesamt zwölf Skulpturen werden alle Schaffensphasen der Französin abgedeckt, die vor allem Dank ihrer monumentalen Spinnen-Skulpturen Berühmtheit erlangte. Eine davon ziert das Entree zum Guggenheim-Museum in Bilbao.

Informationen

Rijksmuseum, Museumstraat 1, 1071 XX Amsterdam, Tel. 0031 20 67 47 000, tgl. 9-17 Uhr.
Weitere Informationen: www.rijksmuseum.nl und  www.holland.com/highlights