Noch niederländischer geht nicht: die Meisterschaft im Gegenwindradeln - Holland.com
Foto: © Arie Kievit
Radfahren

Noch niederländischer geht nicht: die Meisterschaft im Gegenwindradeln

Der bekannte niederländische Comiczeichner Theo van den Boogaard fährt nie mit Gegenwind Fahrrad. Er nimmt für die Hin- oder die Rückfahrt den Zug, je nachdem, wie der Wind steht. Deswegen würde er auch nie an den niederländischen Meisterschaften Gegenwindradeln teilnehmen, der vielleicht beklopptesten Herausforderung des Landes. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um hier dran teilzunehmen“, sagt der Organisator Robrecht Stoekenbroek.

Die Strecke ist nur 8,5 Kilometer lang, ein bizarres Martyrium über den Damm der Oosterscheldekering in Zeeland. Aber viele Teilnehmer, die auf einem normalen Fahrrad mit Rücktrittbremse den rauen Elementen trotzen müssen, bereuen ihre Entscheidung schon nach einem Kilometer. „Es ist wirklich hart“, sagte ein erschöpfter Teilnehmer letztes Jahr hinter der Ziellinie. „Man bekommt kaum noch Luft und der Sand sammelt sich im Mund.“

Der Erfinder dieser spartanischen Veranstaltung hat selbst auch dreimal teilgenommen. „Oft habe ich das Glück, dass ich mit der Presse sprechen muss und meine Person an diversen Stellen rund um die Veranstaltung benötigt wird. Damit bin ich fein raus.“ Denn muss man nicht ein wenig verrückt sein, um hier dran teilzunehmen? „Ja, das finde ich schon. Es ist die schwierigste Veranstaltung der Welt, weil sie so unvorhersehbar, so last-minute, so unkontrollierbar ist. Wirklich etwas für unermüdliche Sturköpfe.“

Ewigen Ruhm

Als Fahrradland par excellence gibt es in den Niederlanden viele Fahrradveranstaltungen und es ist eines der besten Länder der Welt zum Radfahren, aber das hier ist laut Stoekenbroek doch noch mal eine ganz andere Hausnummer. „Der Wind ist unbarmherzig. Links und rechts der Strecke nur Wasser und der Wind hat wirklich freies Spiel. Man wird gefoltert. Aber wenn man gewinnt, erntet man ewigen Ruhm.“

Vomit area und Orkanorchester

Der Schnellste braucht für die Strecke etwa 25 Minuten, das haben die letzten fünf Auflagen gezeigt. Der Letzte benötigt fast eine Stunde, der ist nicht schneller als zehn Stundenkilometer. Die große Frage lautet: Warum nehmen Leute hier dran teil? „Manche suchen das Abenteuer und haben einfach Spaß daran, etwas Verrücktes zu tun. Und es gibt immer mehr Radsportfanatiker, die sich der sportlichen Herausforderung stellen möchten. Wir kümmern uns indessen darum, dass es jedes Jahr neue, spektakuläre Dinge gibt. Es wird erstmals eine vomit area geben, wo sich die Teilnehmer nach Herzenslust übergeben können. Und es gibt eine Tribüne mit Gurten, damit sich das Publikum bei Windstärke 9 anbinden kann. Und das Orkaanorkest (dt. Orkanorchester) sorgt für die musikalische Umrahmung.“

Wann das harte Rennen stattfindet, wird immer erst kurz vorher bekannt. Die Organisatoren warten geduldig auf einen ordentlichen Sturm. „Wir fahren von Norden nach Süden oder von Süden nach Norden. Das bestimmt der Wind.“ Und wenn der Wind von der Seite über den Damm pfeift? „Dann wird nicht gefahren.“

Fandest du das interessant? Mehr entdecken