Das Goldene Zeitalter und seine dunkle Kehrseite - Holland.com
Das Goldene Zeitalter in Holland

Blütezeit zu hohem Preis

Die Jahre, die den Niederlanden durch den Handel mit Gewürzen, Zucker, Kaffee, Tabak und anderen Waren großen Wohlstand brachten, haben eine dunkle Seite. Zwischen dem 16. und 19. Jh. handelten die Niederländer mit Sklaven. Rund 600.000 afrikanische Männer, Frauen und Kinder arbeiteten so auf Plantagen, in Bergwerken und in Haushalten.

In jüngster Zeit findet diese düstere Vergangenheit immer mehr Beachtung. Die Westindische Companie (WIC) trug mit dem Sklavenhandel vor allem in den ersten Jahren zum Status der Niederlande als Weltwirtschaftsmacht bei. Ein Verbot des transatlantischen Sklavenhandels sprach das Land 1863 aus, doch die Spuren sind an vielen Stellen nicht verwischt.

Museen und Ausstellungen

Das Blatt hat sich zwar gewendet, aber der Sklavenhandel ist ein untrennbarer Teil unserer Geschichte. Eine Geschichte, die weniger weit hinter uns liegt, als wir denken: Vor vier oder fünf Generation gab es noch Sklavenbesitzer und Sklavenhalter. Das war Anlass genug für das Rijksmuseum 2021 eine Ausstellung zu diesem Thema zu veranstalten.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern, Aktivisten und Künstlern schuf das Tropenmuseum Heden van het slaverijnverleden (Die heutige Geschichte der Sklaverei). Dabei bilden die Geschichten der Sklaven und ihrer Nachkommen den Mittelpunkt. Interessiert? Hier können Sie eine Führung buchen.

Anfang 2022 eröffnet das Tropenmuseum auch De erfenis (Das Erbe), eine neue, umfassende Ausstellung über die Kolonial- und Sklavenzeit. Diese Dauerausstellung beleuchtet die Hinterlassenschaften des niederländischen Kolonialismus in der Welt und in unserem unmittelbaren Umfeld: wie Ungleichheit, Ausgrenzung und Rassismus.

Fast drei Jahrhunderte lang war die Stadt Amsterdam eng am Sklavenhandel in den Kolonien Asiens und im Atlantik beteiligt. Eine Ausstellung im Amsterdamer Stadtarchiv vom 30. Juni bis 18. Oktober 2020 konzentriert sich auf dreizehn Amsterdamer, die auf verschiedene Weise in Brasilien, Curaçao, Indonesien, Berbice und auf See tätig waren.

In der bewaldeten und hügeligen Umgebung von Berg en Dal, in der Nähe von Nimwegen, finden Sie das Afrikamuseum. Neben regelmäßig wechselnden Ausstellungen zeigt das Museum anhand von persönlichen Geschichten, einzigartigen Objekten und zeitgenössischer Kunst, wie wir mit dem afrikanischen Kontinent verbunden sind. Ein ständiger Schwerpunkt ist die Geschichte der Sklaverei. Die Sammlung umfasst 100 Exponate, die Besucher sehen können.

Denkmäler

Mit dem Emanzipationsgesetz vom 1. Juli 1863 schaffte das Königreich der Niederlande die Sklaverei in Surinam und auf den Niederländischen Antillen ab. Offiziell heißt dieser surinamische Feiertag Dag der Vrijheden (Tag der Freiheit), wird aber auch Ketikoti genannt: Ketten gebrochen. In den Niederlanden wird Ketikoti seit 2009 im Oosterpark in Amsterdam gefeiert. Seit dem 1. Juli 2002 steht dort das Nationaldenkmal der Sklaverei.


Auf dem Surinameplein in Amsterdam steht seit 2003 das Monument van Besef (Denkmal des Verantwortungsbewusstseins). Es steht für die gemeinsame Geschichte von Surinam, den Niederländischen Antillen und den Niederlanden.


Vom 17. bis zum 19. Jh. florierte im Lloyd-Viertel von Rotterdam der Handel mit Waffen, Keramik und Spirituosen. Diese Güter wurden nach Afrika verschifft, wo sie gegen versklavte Menschen eingetauscht wurden. In der Folge brachten Rotterdamer Schiffe diese Menschen nach Surinam und auf die Niederländischen Antillen. Im Jahr 2013 wurde in Rotterdam das Denkmal der Sklaverei enthüllt. Es ist ein Entwurf von Alex da Silva und steht auf dem Lloydkai.


Das Zeeuws Slavernijmonument (Denkmal für die Sklaverei in Zeeuws) auf dem Balans in Middelburg errichtete man 2005. Die Künstlerin Hedi Bogaers aus Zierikzee schuf das Denkmal. Sie entwarf eine Statue, die in einer emotional aufgeladenen Atmosphäre Raum für Trost und Besinnung bieten soll. Es handelt sich um vier Granitsäulen, in denen Schwarz und Weiß durch einen roten Streifen in der Mitte zusammengehalten werden. 

Führungen und Wanderungen

In Amsterdam wird die Black Heritage Amsterdam Tours seit 2013 wöchentlich von der Initiatorin und Fremdenführerin Jennifer Tosch angeboten. Die Führung beginnt am Dam-Platz, dem Herzen der Stadt. Es werden nicht nur das afrikanische Erbe der Vergangenheit und verschiedene niederländische Kulturen erkundet, sondern auch das Westindische Haus, das Anne-Frank-Haus und das Eremitage-Museum besucht. Des Weiteren geht es in das Scheepvaartmuseum (Schifffahrtsmuseum). Hier gibt es eine Nachbildung eines VOC-Schiffes, das dem für den Transport von Sklaven gleicht.

Bereits im 17. Jh. spielte Den Haag eine zentrale Rolle bei der Entstehung, der Aufrechterhaltung und Abschaffung der Sklaverei. Die Spuren dieser Geschichte sind noch immer in den Straßen von Den Haag sichtbar. Mehrere Orte erinnern an die Vergangenheit der Sklaverei und sind Teil dieses Stadtrundgangs.

Mit der Route Kakao, Zucker und Sklaven (Download über Android oder Apple*) erzählt Amnesty ein Stück der Geschichte Middelburgs: Orte, die an den Sklavenhandel erinnern. Zu sehen sind Lagerhäuser der West India Company (WIC), Firmengebäude der Middelburgsche Commercie Compagnie (MCC) und der Ort, an dem Reverend Smytegelt lebte, der gegen den Sklavenhandel vorging.

Während der GPS-Route Spuren der Sklaverei (Download über Android oder Apple*) im Stadtzentrum von Utrecht begegnet man oft gut versteckten Details des Sklavenhandels. Da ist einerseits die bekannte Westindischen Kompanie (WIC) und andererseits der finanzielle Reichtum und die Vielfalt neuer Produkte, die aus diesem Handel geschuldet waren. Auch das Ziel der Abschaffung der Sklaverei wird eingehend erörtert.

Heutzutage ist die Jan Pieterszoon Coenstraat eine der beliebtesten Straßen in Lombok. Aber wer war er? Die sogenannte Bitterzoete Route führt im Utrechter Stadtteil Lombok durch verschiedene Straßen und soll informieren, das Bewusstsein schärfen und ein Gespräch über die Kolonialgeschichte beginnen. 

* Tipp: Die Apps sind auf Niederländisch, aber du kannst die Route herunterladen und auf eigene Faust gehen oder eine geführte Tour buchen.

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