Holland Storys

Wasser

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Die Nieder­lande, ein Leben mit Wasser

Es gibt eine Sache, die sich durch die gesamte niederländische Geschichte zieht und die Einwohner verbindet: Wasser. Von den Stämmen im Mesolithikum, die mit ihren Kanus auf die Jagd gingen, bis zu den Entdeckern, die Segel setzten und sich über die Ränder der bekannten Welt hinauswagten, hat das Wasser die Niederlande und ihre Einwohner geprägt. Obwohl der römische Autor Plinius der Ältere es einst als „ein bemitleidenswertes Land, das zweimal am Tag überschwemmt wird“ beschrieb, gelang es den Niederländern dennoch, es in eine der wohlhabendsten Nationen der Welt zu verwandeln. Wasser schenkt uns Leben und ohne könnten wir nicht überleben.
Ob beim Segeln über die Weltmeere, Schippern durch idyllische Kanäle oder Warten auf den perfekten Fang beim Angeln – die Beziehung der Niederländer zum Wasser ist international bekannt. Es ist keine gewöhnliche Beziehung: Es ist eine Verbindung, die im Lauf der Geschichte und über Generationen hinweg entstand. Diese Bande werden mit jedem Tag stärker. Das Wasser hat uns ganz maßgeblich beeinflusst: Wir entwickelten das früheste öffentliche Verkehrsnetz der Welt, indem wir im 17. Jahrhundert Passagierboote benutzten, um die ansonsten unwegsame Landschaft zu durchqueren. Ferner war es eine Inspiration für unsere größten kulturellen Veranstaltungen, wie die Elfstedentocht (Elf-Städte-Tour), ein 200 km langes Schlittschuhrennen über zugefrorene Kanäle. Das Leben mit Wasser bestimmte auch den direkten und pragmatischen Charakter der Niederländer: Wir mussten zusammenarbeiten und entschlossen sein, um zu überleben. Für diese Herangehensweise gibt es in unserer Sprache sogar ein eigenes Wort zum Thema Wasser: Poldermodel.

Das Wasser durchzieht nicht nur das Leben der Niederländer, sondern das Land auch selbst: Ein Fünftel der Gesamtfläche des Landes besteht aus Wasser. Die Beziehung der Niederländer zum Wasser ist eine Frage des Gleichgewichts, aber auch eine Frage von Leben und Tod. Wir wissen es zu schätzen, aber wir mussten auch fast jedes Stückchen Land, das wir heute bewohnen, dem Wasser abgewinnen. Schon im 14. Jahrhundert begann man dem Meer Land abzugewinnen, um darauf zu leben. Heute setzen wir diese Arbeit mit dem Ziel fort, nicht nur der Natur Raum zu geben, sondern auch moderne Städte und Ortschaften zu errichten. Fast ein Drittel unseres Landes liegt unter dem Meeresspiegel. Ohne die faszinierende Landschaft aus Gräben, Kanälen, Flüssen, Windmühlen, Poldern und Deichen wäre die Hälfte überflutet.

Bei einem Besuch der Niederlande stößt man sofort und überall auf Hinweise dieser besonderen Beziehung. Neben den Kanälen, die sich entlang den Straßen anschmiegen, und den Hausbooten, die sich an den Ufern der Wasserwege aneinanderreihen, gibt es monumentale Windmühlen, wasserreiche Naturschutzgebiete, historische Pumpstationen, herrliche Strände, großartige Museen und UNESCO-Welterbestätten zu entdecken. Begleiten Sie uns auf dieser Reise und lassen Sie sich von unserer besonderen Beziehung zum Wasser inspirieren.

Wussten Sie, dass?

In den Niederlanden gibt es mehr als 10.000 Hausboote!

Schilfanbau in den niederlän­dischen Sumpf­gebieten

Einer der eindrucksvollsten Orte in den Niederlanden ist der Nationalpark Weerribben-Wieden. Ein idyllisches Paradies mit üppiger Natur, geschäftigen Bauernhöfen und historischen Gebäuden. Hier befindet sich – neben den mit Booten gefüllten Wasserstraßen, Fahrradwegen und jahrhundertealten Strohdachhäusern – das Zuhause von Johan und Yfke de Dood, einer Familie von Schilfbauern, deren Verwandte das Land seit sieben Generationen bewirtschaften.

„Wasser war schon immer ein Teil meines Lebens“, erklärt Johan, während er im Schulungsraum des Familienunternehmens an seinem Kaffee nippt. „Die Geschichte dieses Sumpfgebiet ist bedeutend für meine Vorfahren und mich.“ Das Gebiet, wovon er spricht, ist der Nationalpark Weerribben-Wieden – die größte Sumpflandschaft Nordwesteuropas. Hier gibt es malerische Seen, Tümpel und Kanäle mit Moor-, Schilf- und Waldgebieten. „Mir kommt es jeden Tag so vor, als sei ich im Urlaub“, fügt Johan hinzu, „es ist so wunderbar hier. Wir arbeiten auf einem fantastischen Stück Land. Und es gibt so viele besondere Pflanzen und Tiere.“

Das Wasser sorgt dafür, dass jeder Tag für die Familie De Dood wieder anders ist. „Wasser steht nie still und bewegt sich nicht immer in dieselbe Richtung“, erklärt Yfke. „Es kann friedlich oder zerstörend sein. Als die Zuiderzee noch existierte, gab es mehrere Deichbrüche, die das Gebiet, in dem wir heute leben, geformt haben. Das macht die Arbeit in dieser Gegend noch attraktiver und bedeutet, dass kein Tag wie der andere ist.“

Unsere Arbeit ist kein Job, sondern eine Lebenseinstellung.

Die Familie arbeitet nicht nur als Schilfbauern, sondern auch als Naturmanager und hilft dabei, Besucher über das Gebiet und ihre Handwerkskunst aufzuklären. „Viele Menschen haben keine Ahnung, was wir tun und warum“, sagt Johan. „Ich hoffe, dass wir durch die Weitergabe unseres Wissens dabei helfen können, dass die Menschen besser verstehen, warum Natur und Wasser so wichtig sind. Das könnte dazu beitragen, dass sie umweltbewusster werden.“

Wie schon sein Vater, Großvater und Urgroßvater vor ihm, kennt Johan jeden Quadratzentimeter seines Landes ganz genau. Er kann einem zeigen, wo die Otter leben und wo die Rohrweihen nisten. „Ich gehöre hierher, wir gehören hierher. Das spüre ich ganz genau“, sagt er melancholisch, während sein Blick über das Land wandert, das seine Familie seit Generationen geformt hat.

Ihr kleiner Sohn Joey ist ebenfalls im Schilf zu Hause und Johan hofft, dass er eines Tages die Familientradition fortsetzt. „Wenn Joey das Unternehmen in achter Generation als Schilfbauer weiterführen möchte, wird er die gleichen Möglichkeiten bekommen, die meine Eltern mir gegeben haben“, sagt er. „Es wäre eine gute Sache, wenn er die Tradition weiterführt, aber am Ende wird es Joeys Entscheidung sein.“

Insidertipps von Johan und Yfke de Dood
„Es gibt so viele Orte, an denen man die Beziehung der Niederländer zum Wasser erkunden kann. Wenn man zu einem der Polder fährt, sieht man den Beweis dafür, wie wir unser eigenes Land zum Leben und Arbeiten geschaffen haben. Jeder Polder ist einzigartig und hat seinen eigenen besonderen Charakter. Das Gebiet, in dem wir leben, ist wirklich etwas Besonderes. Man kann in der Natur sitzen, ohne eine Menschenseele zu sehen, und mit dem Otter neben sich über das Leben nachdenken.“

Entdeckt die Feuchtgebiete

Naturgebiete

Nationalpark Weerribben-Wieden

Niederlande Wasserland

Giethoorn

Wassermanagement
Wie Wasser die Niederländer prägte

Wasser­ma­nagement und die sich ständig verän­dernde nieder­ländische Landschaft

Im Januar 1953 fegte ein gewaltiger Sturm über die Niederlande. Eine Kombination aus schweren Stürmen und einer Springflut ließ den Meeresspiegel auf einen außergewöhnlich hohen Stand steigen. Während die Menschen – scheinbar in Sicherheit – in ihren Betten schliefen, brachen die Deiche und das Region wurde überflutet. Da es keine Notfall-Radiosendungen gab und die Wetterstationen geschlossen waren, gab es keine Warnungen. Es war die schlimmste Flutkatastrophe in der Geschichte der Niederlande, bei der mehr als 1.800 Menschen ums Leben kamen und weitere 70.000 Niederländer obdachlos wurden.

Die Nordseeflut von 1953, auch bekannt als „Watersnoodramp“, ließ in den Niederländern die Entschlossenheit wachsen, eine solche Tragödie nie wieder geschehen zu lassen. Obwohl das Land im Laufe der Geschichte schon viele Überschwemmungen erlebt hatte, hatte keine solche Auswirkungen, wie die von 1953. Sie ebnete den Weg für den Bau der Deltawerke. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk aus Dämmen, Deichen, Schleusen und Sturmflutwehren. Bestehend aus 13 Abschnitten bilden sie das größte Hochwasserschutzsystem der Welt und gelten als eines der Sieben Weltwunder der Neuzeit.

Der Bau des Sturmflutwehrs an der Oosterschelde in Zeeland ist spektakulär; der Betonkomplex ist so gewaltig, dass der Bau 17 Jahre gedauert hat. Es ist ein beeindruckendes Erlebnis, das riesige Bauwerk zu besichtigen und die gewaltigen Wassermassen zu bestaunen, die einem unter den Füßen hindurchrauschen. Eine weitere ergreifende Sehenswürdigkeit steht in Zierikzee: Die Bronzestatue einer Mutter, die ihr Kind beschützt, erinnert an die Opfer der Überschwemmungen von 1953. In Ouwerkerk in Zeeland, rund 60 km südlich von Rotterdam, ist das Watersnoodmuseum der perfekte Ort, wenn man erleben möchte, welchen Einfluss Wasser auf die Niederlande gehabt hat. Der Wasserlauf neben dem Museum auf der Insel Schouwen-Duiveland, der in den Monaten nach der Flut von 1953 durch die ein- und auslaufenden Gezeiten geformt wurde, ist zur Heimat einer beeindruckenden Tier- und Pflanzenwelt geworden.

Neben den gigantischen Bauwerken der Deltawerke ist der Afsluitdijk ein weiterer wichtiger Teil des niederländischen Wasserwirtschaftssystems. Der kolossale, 32 Kilometer lange Deich, der die Niederlande seit 1932 vor dem Meer schützt, steht als nationales Symbol für die Beziehung der Niederländer zum Wasser. Auf einem Relief an diesem Denkmal der Ingenieursleistung stehen die Worte „Een volk dat leeft bouwt aan zijn toekomst“, auf Deutsch „Ein Volk, das lebt, baut seine eigene Zukunft“. Es ist ein passender Tribut an die Beharrlichkeit der Niederländer bei der Zähmung des Wassers, mit dem sie leben müssen.

Die Entwicklung des modernsten Hochwasserschutzes der Welt braucht natürlich Erfahrung, und so wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Waterloopkundig Laboratorium in Flevoland, ein hydrologisches Labor, eingerichtet. Hier konnte Wasser ohne Pumpen in groß angelegte Versuchsmodelle hinein- und herausgeleitet werden, Betonbecken dienten zum Testen von Wellenbewegungen, und es wurden maßstabsgetreue Modelle von Schleusen und Häfen angefertigt, die den niederländischen Ingenieuren halfen, Projekte wie die Deltawerke zu entwickeln.

Wie der Fluss des Wassers auf das Leben der Niederländer einwirkt

Bis zum 8. Jahrhundert war das niederländische Tiefland unbewohnbares Sumpfland. Zunächst waren es Windmühlen, die durch das Abpumpen von Wasser bei der Gewinnung von Land halfen. Tatsächlich nutzten niederländische Gemeinden die Position der Segel sogar, um Todesfälle oder Hochzeiten anzukündigen. Im Lauf der Zeit gestaltete das verschlungene Netz von Kanälen, Deichen, Dünen, Dämmen und wasserpumpenden Windmühlen in den Niederlanden die Landschaft. Hier, inmitten der grünen Wiesen, Deiche und ausgedehnten Naturschutzgebiete, blühen Tulpen, gedeihen die Landwirtschaft und die Tierwelt. Und natürlich eignet sich diese ruhige, flache Landschaft perfekt für eine Fahrradtour.

Wie sich die Landschaft verändert hat, sieht man im UNESCO-Welterbe Beemster, dem ältesten Poldergebiet der Niederlande. Zwischen 1607 und 1612 waren 43 Windmühlen im Einsatz, um dieses Gebiet dem Binnenmeer abzugewinnen und den Polder zu schaffen. Für dieses Projekt wurden zum ersten Mal in der Welt Aktien aufgelegt, wobei die Menschen, die dazu beitrugen, ein Stück urbar gemachtes Land als Vergütung für ihre Aktie erhielten. Heutzutage sind sowohl Beemster als auch das benachbarte De Schermer relativ unverändert seit dieser Zeit, mit pittoresken Windmühlen, Wasserwegen, Deichen und restaurierten Mühlen. Ein absolutes Muss ist De Eenhoorn, eine der prächtigsten der 350 „Stolpboerderijen“ der Gegend. Stolpboerderijen sind traditionelle niederländische Bauernhäuser mit pyramidenförmigen Dächern. In Norddeutschland kennt man sie auch als Haubarg.

Ob Sie durch den historischen Hafen schippern oder sich in einem ehemaligen Wasserturm, der zum Hotel umfunktioniert wurde, einquartieren – die hübsche Stadt Dordrecht ist der perfekte Ort, um zu entdecken, wie die Niederländer mit dem Wasser leben. Die älteste Stadt der Niederlande liegt an einer Kreuzung von Flüssen und beherbergt 1.000 denkmalgeschützte Gebäude, von denen einige heute zu Restaurants, Museen und Theatern umfunktioniert worden sind. Dordrechts Garten ist der Biesbosch-Nationalpark, ein einzigartiges Süßwasserdelta mit etwa 8.000 Hektar kleiner Flüsse und Bäche. Obwohl das Beobachten von Biberdämmen während einer Kanufahrt durch sich windende Bäche und Weidenwälder eher mit den amerikanischen Appalachen in Verbindung gebracht werden könnte, ist es immer ein beliebter Bestandteil eines jeden Besuchs dieser einzigartigen Süßwassergezeitenzone.

Erkundet unsere Landschaft

Geschichtsmuseen

Het Watersnoodmuseum

Maeslantkering one of the 13 Delta Works
Sehenswürdigkeiten

Die Deltawerke

Sehenswürdigkeiten

Der Afsluitdijk

UNESCO

Unesco Weltkulturerbe Beemster und Schermer

Naturgebiete

Nationalpark De Biesbosch

Niederlande Wasserland

Dordrecht

Mit Wasser zu nieder­län­discher Kunst von Weltformat

In einer ehemaligen Rotterdamer Glasfabrik, die in ein futuristisches Kunstatelier umgewandelt wurde, arbeiten Ingenieure und Designer eifrig daran, das Unmögliche möglich zu machen. Das ist das Studio Roosegaarde, auch bekannt als die Traumfabrik oder Dream Factory. Es ist das Zuhause des niederländischen Künstlers, Designers und Architekten Daan Roosegaarde. Inmitten seiner hochmodernen Kreationen – Installationen, in denen Natur, Design und Technologie zu atemberaubenden, zum Nachdenken anregenden Formen verschmelzen –, erinnert er sich an seine Kindheit in Nieuwkoop, einer niederländischen Stadt, die für die Nieuwkoopse Plassen berühmt ist: Flache Seen, die im 16. Jahrhundert zur Torfgewinnung abgegraben wurden und heute als Naturdenkmal ausgewiesen sind.
„Ich durfte erst draußen spielen, als ich mein Schwimmabzeichen hatte“, erklärt Daan. „Wasser war einfach überall. Und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass wir immer damit gespielt haben. Wir haben Baumhäuser gebaut und Seile zwischen den kleinen Inseln gespannt, sodass wir daran über das Wasser gleiten konnten.“
Man ist immer auf Entdeckungsreise; die Landschaft verändert sich ständig.
Daan Roosegaarde

Seine Erfahrungen, umgeben von Wasser aufzuwachsen und damit zu experimentieren, fließen jetzt in seine Arbeit ein. „Es ist ein Erkunden – und die Erkenntnis, dass die Landschaft nicht etwas Fertiges ist, sondern etwas, von dem man ein Teil ist“, sagt Daan. „Damals habe ich meine Baumhäuser gebaut, heute mache ich ein kleines Baumprojekt oder so etwas wie ‚Waterlicht‘, wo wir aus LEDs und Linsen eine virtuelle Überschwemmung geschaffen haben, um auf den steigenden Wasserpegel aufmerksam zu machen. Eigentlich ist es dasselbe. Ich werde von der Neugier angetrieben, von einem Wunsch, zu erkunden.“

Es war seine Expertise in Sachen Kunst, die die Beziehung zwischen Menschen und Technologie auskundschaftet, die seine Beteiligung an Icoon Afsluitdijk festigte. Icoon Afsluitdijk ist ein Designprogramm, das von der niederländischen Regierung in Auftrag gegeben wurde, um den ikonischen Wert des Afsluitdijk hervorzuheben. „Der Afsluitdijk ist einer der schönsten Orte der Welt“, erklärt Daan, „im Jahr 1932 von Hand gebaut. Es ist eine unwirtliche Gegend, wo Stürme, Winde und Regen zusammenkommen. Aber eigentlich geht es um die Kraft, wenn Natur und Kultur aufeinandertreffen. Es war mir eine große Ehre, dass ich daran mitarbeiten durfte.“

Daan sagt, dass die niederländische Kunst schon immer von der Landschaft inspiriert worden sei und das Wasser ein Teil der nationalen Psyche sei. „Niederländische Künstler waren schon immer von der niederländischen Natur hingerissen. Sogar Künstler wie Rembrandt oder Rubens waren begeistert von Wasser und dem Himmel über den Niederlanden. Sie haben beides Tausende Male gemalt. Ich fühle Niederländisch, wissen Sie, ich fühle diese Art von Liebe zur und den Kampf mit der Natur. Das sind hervorragende Bausteine für die Kreativität.“

Insidertipps von Daan Roosegaarde
„Neben dem Besuch des Afsluitdijk würde ich nach Kinderdijk fahren. Wenn man dort ist und die Windmühlen betrachtet, kann man sich gut vorstellen, was die Menschen damals gedacht haben müssen. Für sie müssen sie wie Raumschiffe ausgesehen haben. Als ob Aliens gelandet wären. Es sind Maschinen, die dabei helfen, das Wasser zu kontrollieren, und es leben Menschen darin. Und gleichzeitig sprechen sie unseren Sinn für Schönheit an. Sie sind ein tolles Beispiel dafür, wie etwas Superpraktisches zur Poesie wird und wie die Funktion eine eigene Fantasie erschafft.“

Erlebt diese Ikonen

Sehenswürdigkeiten

Der Afsluitdijk

UNESCO

Die Windmühlen von Kinderdijk

Kunst, Essen und Kultur
Der Einfluss des Wassers

Wie Wasser Kunst, Essen und Kultur beeinflusst

In seinem Gedicht „Erinnerung an Holland“ schreibt der große niederländische Dichter Hendrik Marsman: „Und in jeder Region wird die Stimme des Wassers mit seinen ständigen Katastrophen gefürchtet und erhört.“ Das beschreibt ganz passend die niederländische Seele: Wasser hat uns geprägt, also gestaltet es auch unsere Kultur. Es hat uns zu wirtschaftlichem Wohlstand verholfen, aber es ist auch eine Quelle der Freude und der Kreativität. In den warmen Sommermonaten picknicken und spielen wir an den Stränden und Seen; im Winter laufen wir Schlittschuh auf dem Eis.

Auch unsere Kunst ist von Wasser durchtränkt. Maritime Themen waren von Anfang an bei niederländischen Künstlern sehr beliebt. Von Rembrandts stürmischen Szenen bis hin zu der riesigen Statue des britischen Künstlers Antony Gormley, die auf einem Wellenbrecher-Damm an der Küste von Lelystad sitzt – vom Wasser inspirierte Kunst findet man im ganzen Land. Und ganz gleich, ob es sich um einen ruhigen Blick auf das Meer, zugefrorene Kanäle oder eine epische Seeschlacht zwischen den Niederländern und den Spaniern handelt, das Experimentieren der niederländischen Künstler mit Licht, Wasser und Farben hat so ziemlich jeden beeinflusst.

In den gesamten Niederlanden finden sich epische Beispiele der Kunstbewegung, die als „Land Art“ bekannt wurde. Darunter Werke von international bekannten Künstlern, die von der niederländischen Landschaft inspiriert wurden. Menschen, die diese Art von Kunst genießen wollen, fahren oft in die Provinz Friesland oder Flevoland. Dort gibt es auch Naturreservate, Strände und moderne Architektur und sie ist die größte Blumenzwiebelregion. „Aardzee“ (Erdmeer) – eines der größten Kunstwerke der Niederlande – vom niederländischen Bildhauer Piet Slegers liegt mitten in dieser Provinz. Es stellt die Verwandlung der Zuiderzee in urbar gemachtes Land dar. „Exposure“ von Antony Gormley – die 26 Meter hohe Statue eines hockenden Mannes, der über das Markermeer blickt – sitzt auf einem Wellenbrecher-Damm neben der Stadt Lelystad. Zu dem gigantischen Kunstwerk ließ sich Gormley von der unberührten Landschaft inspirieren, die es umgibt.

Künstler lassen sich nicht nur von der Landschaft inspirieren, sondern benutzen auch die Materialien, die die Niederländer für die Wasserwirtschaft verwendet haben. So entsteht neue Kunst. Ein Beispiel ist das „Deltawerk//“ am Waterloopbos, ein 250 Meter langes Betonbecken, das einst zum Testen des Hochwasserschutzes diente und von den Künstlern Ronald Rietveld und Erick de Lyon auseinandergenommen und geflutet wurde. Damit gestalteten sie „ein Denkmal für den niederländischen Kampf gegen das Wasser“. Es ist sowohl eine Ode an die Vergangenheit und die großartige Ingenieursleistung als auch ein radikaler neuer Ansatz, um ein neues Kulturerbe in den Niederlanden zu schaffen. Ein weiteres Beispiel dafür ist Daan Roosegaardes „Gates of Light“ am Afsluitdijk: Die monumentalen Schleusen sind mit reflektierendem Material versehen, das im Scheinwerferlicht entgegenkommender Autos aufleuchtet. Wenn man hindurchfährt, leuchtet um einen herum eine futuristische Landschaft auf, die das kolossale Bauwerk und die Umgebung in ein unwirkliches Licht taucht.

Fischerei und Landwirtschaft in den Niederlanden

Wasser hat auch den Handel in den Niederlanden angetrieben, vor allem die Fischerei. Es war die Industrie, die den Niederlanden im 15. Jahrhundert zu wirtschaftlichem Wohlstand verhalf und sich hauptsächlich um die ehemalige Zuiderzee konzentrierte. Dieses große Binnenmeer war ursprünglich eine Ansammlung kleiner Seen, die in der Römerzeit als „Almeare“ bekannt waren. Es entstand nach einer Reihe von Überschwemmungen um 1200. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Zuiderzee zum Lebenselixier der niederländischen Gemeinden an ihren Ufern, aber die Schifffahrt in dieser Region blieb extrem schwierig, da die Schiffe von Stürmen oft übel zugerichtet wurden oder in Untiefen kenterten. Bis heute wurden Hunderte von Schiffswracks auf dem ehemaligen Meeresboden entdeckt.

Der Bau des Afsluitdijk beendete die Existenz der Zuiderzee, und der neue See, der an ihrer Stelle entstand, ist das IJsselmeer – und schließlich das Markermeer, nach der Eröffnung des Houtribdijk im Jahr 1975. Obwohl das salzige Meerwasser verschwunden ist und die Fischbestände zurückgegangen sind, kann man dieses reiche Erbe immer noch erleben. Bei einem Besuch der historischen maritimen Städte und Dörfer wie Urk, Enkhuizen, Lemmer und Workum, wo die Zuiderzee-Kultur immer noch existiert, hat jeder Ort seinen eigenen besonderen Charakter. Im Zuiderzeemuseum Enkhuizen erfährt man, wie die Niederländer am Wasser gelebt haben. In einem bezaubernden Fischerdorf am IJsselmeer gelegen, lässt dieses Freilichtmuseum die Geschichte der Menschen rund um die Zuiderzee lebendig werden.

Am anderen Ende des Landes, in Zeeland, ist der Nationalpark Oosterschelde. Es ist eine Welt aus Watt, Salzwiesen und Sandbänken. Hier kann man immer noch eine reiche Unterwasserwelt mit Austern, Krabben, Hummern, Muscheln, Garnelen und vielen anderen Arten von Fischen und Schalentieren entdecken. Mehrere Tauchschulen nehmen Besucher mit auf Expeditionen, um diese Unterwasserwelt zu erkunden. In den örtlichen Restaurants genießt man die frischesten Fänge, darunter authentischen Oosterschelde-Hummer, Austern und Muscheln.

Das Wasser hat auch die niederländische Küche beeinflusst. Wenn wir Land urbar machen, ist der verschlammte Boden, der zurückbleibt, perfekt für den Anbau von üppigen Gräsern und zahlreichen Gewächsen. Diese üppigen Gräser verhalfen den niederländischen Kühen weltweit zu großer Bewunderung. Tatsächlich lieferte eine Holstein Friesian-Kuh namens Pauline Wayne sogar frische Milch für William Howard Taft, den 27. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Pauline lebte beim Weißen Haus, graste auf seinen Weiden und wurde skurrilerweise sogar einmal von der Washington Post interviewt.   

Die wohlgenährten niederländischen Kühe produzieren reichhaltige Milch, die manchmal auch zu einem weiteren nationalen Symbol verarbeitet wird: niederländischem Käse. Neuesten Daten zufolge sind die Niederländer die drittgrößten Milchkonsumenten der Welt. Und obwohl die meisten Menschen auf der Welt vielleicht nicht viel über die niederländische Küche wissen, kennen alle niederländischen Käse.

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Schokland und Urk

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Der Afsluitdijk

Naturgebiete

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Sehenswürdigkeiten

Deltawerk// im Waterloopbos

Nieder­ländisches Inselleben

Mit dem niederländischen Wort für „Hecht“ als Nachnamen scheint es unvermeidlich, dass Rein Snoek eine enge Verbindung zum Wasser verspürt. Dazu kommt, dass er aus dem alten Fischerort Urk stammt, einer ehemaligen Insel, die jetzt Teil des zurückgewonnenen Landes Flevoland ist. Urk ist sehr ursprünglich und unabhängig geblieben, hat sogar einen eigenen Dialekt und eine eigene Folklore. Es wird beispielsweise gesagt, dass es zwei Arten von Menschen gibt: Urker und Fremde. Und während in Urk geborene Babys angeblich aus einem großen Stein namens „Ommelebommelestien“ (Ommel-Bommel-Stein) vor dem Leuchtturm der Stadt stammen, wuchsen die Babys von Menschen, die nicht von der Insel stammen, in Kohlköpfen.

Rein teilt die Liebe seiner Stadt sowohl zum Humor als auch zum Wasser. „Ich habe den Großteil meines Lebens auf dem Wasser verbracht – es war ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich war 22 Jahre lang Fischer und habe 17 Jahre ehrenamtlich auf Rettungsbooten gearbeitet. Urk ist mein Leben. Ich plane, hier in 40 oder 50 Jahren glücklich zu sterben“, sagt der 59-Jährige.

Aber ein Leben am Wasser besteht nicht nur aus Spaß und Spiel. Als er sechs Jahre alt war, verlor Rein seinen Vater und Großvater (beides Fischer) an das Meer – eine Tragödie, die die Leidenschaft des ehemaligen Fischers für Wassersicherheit erklärt. „Obwohl ich meine Kindheit damit verbracht habe, am und mit Wasser zu spielen, war ich nie eine Wasserratte“, erklärt Rein. „Selbst heute noch, sitze ich im Urlaub mit einem Bier am Pool und es muss richtig heiß sein, damit ich reingehe.“ Er hat viele Jahre ehrenamtlich als Rettungshelfer bei der KNRM (Königlich Niederländische Seenotrettungsorganisation) gearbeitet.

Wasser kann brutal und schön sein.
Heute arbeitet Rein als Sicherheitsfachkraft für die örtliche Fischergewerkschaft. „Für die meisten Urker geht es um Wasser und Fischen – das ist für uns einfach selbstverständlich. Und es trifft auch auf die Niederlande als Ganzes zu. Wir haben immer bis zu den Knien im Wasser gestanden – wir haben unser Land daraus gewonnen und müssen ständig dagegen ankämpfen.“
Rein fehlt die Fischerei nicht, aber er denkt immer noch gerne an die Kameradschaft auf den Rettungsbooten zurück. „Wir haben zusammengearbeitet“, erklärt er. „Wirklich, Wasser hat mein Leben bereichert, sowohl auf materieller als auch auf spiritueller Ebene. Als Fischer lebt man fünf oder sechs Tage lang mit fünf oder sechs anderen Kerlen auf dieser kleinen acht mal vierzig Meter großen Welt. Man ist sehr beschäftigt, aber gleichzeitig ist es auch sehr entspannend – viel entspannender als das Leben an Land.“
Insidertipps von Rein Snoek
„Der Leuchtturm von Urk ist ein beeindruckendes Denkmal, dessen Geschichte 400 Jahre zurückreicht. Normalerweise kann man ihn besteigen. Vor dem Leuchtturm sieht man den Ommelebommelestien aus dem Wasser ragen. Ich empfehle auch das Fischerdenkmal (Vissersmonument), das an all die Menschen erinnert, die wir an das Meer verloren haben. Es ist die Statue einer Frau, die aufs Meer hinausblickt und listet 368 Namen auf.“

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Was kommt als nächstes?
Eine Zukunft mit Wasser

Ein Blick in die Zukunft – was passiert und was pas­sieren wird

Besucher des friesischen Lemmer werden ihn schon von Weitem sehen: den 60 Meter hohen Schornstein eines der spektakulärsten und innovativsten Denkmäler der Niederlande – das D. F. Woudagemaal (Wouda-Pumpwerk). Es ist in einem eleganten Gebäude im Stil der Amsterdamer Schule untergebracht und ist die größte dampfbetriebene Pumpstation, die jemals gebaut wurde und die einzige, die noch in Betrieb ist. Kein Wunder, dass Technikbegeisterte aus der ganzen Welt nach Friesland reisen, um dieses fantastische Stück Industriedesign zu sehen., das 1998 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde.

Und natürlich ist die Tatsache, dass es immer noch in Betrieb ist, eine Erinnerung daran, dass das Wasser weiterhin kommt. Der Klimawandel lässt die Meeresspiegel steigen und die Stürme werden heftiger; die Zukunft unseres Landes ist nicht sicher. Glücklicherweise bringen unsere Universitäten Wasseringenieure von Weltrang hervor, die dabei helfen, neue Techniken und Projekte zu entwickeln, um uns zu schützen.

Um den berühmten niederländischen Fußballer Johan Cruyff zu zitieren: „Wasser hat nichts von uns zu gewinnen, und doch haben wir alles zu verlieren – wenn wir nicht kooperieren.“ Anstatt also gegen das Wasser zu kämpfen, setzen wir die uralte Tradition fort, mit dem Wasser zu leben: Wir nutzen unsere Seen, Parks und sogar Parkplätze als Reservoirs, die gegen Überschwemmungen helfen können. In einigen niederländischen Städten dienen bereits Brunnen, Gärten und Basketballplätze als Rückhaltebecken. Und wir arbeiten ständig daran, die Abwehrkräfte der spektakulären Sanddünen und Strände entlang unserer Küsten auszubauen.

Die zerstörerische Kraft des Wassers kann Gesellschaften und die Umwelt lähmen, verschärft durch den Klima­wandel. Wasser ist der Enabler, wenn wir seine Komplexi­tät verstehen, es umfassend wert­schätzen und inklusiv managen. Dann ist Wasser der Hebel für Klima­maßnahmen und nachhaltige Ent­wick­lung, für den Wandel, den wir anstreben.
Henk Ovink

Niederländisches Fachwissen nutzen, um anderen zu helfen

Da wir seit jeher mit Wasser leben, nutzen wir unser Know-how auch, um anderen Ländern zu helfen, die von Überschwemmungen und Dürren bedroht sind. Unsere Experten arbeiten in ganz Europa und reisen regelmäßig nach Asien, Amerika, in den Nahen Osten und nach Afrika. Dort beraten sie Regierungen, um mit lokalen Partnern und Unternehmen beim Wassermanagement zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig werden auf diese Weise die so dringend benötigte Wissenschaft und Innovation vorangetrieben. Delegierte aus Ländern wie Indonesien, Bangladesch und Vietnam besuchen oft unser Land. So sehen sie unsere Infrastruktur des Wassermanagements in Aktion: natürliche oder harte Verteidigungsanlagen, kleine städtische Erfindungen sowie größere Anlagen. Wir haben sogar einen eigenen internationalen Wasserbeauftragten, einen Spezialisten namens Henk Ovink. Er hilft anderen Nationen, ihre Schutzmaßnahmen zu verstärken und mit Notfällen umzugehen. Sein Fachwissen verhalf ihm sogar dazu, ein regelmäßiger Gast im Weißen Haus zu werden, wo er im Team von Präsident Barack Obama als „Henk the water guy" bekannt war. Henk arbeitete am Wiederaufbau der Region New York nach dem Supersturm Sandy. Mit der Unterstützung vieler amerikanischer und niederländischer Partner konzipierte er innovative Projekte für den Wettbewerb „Rebuild by Design“, um New York zukunftsfähig zu machen.

Die Zukunft mag ungewiss sein, die Beharrlichkeit und der Erfindungsreichtum der Niederländer sind jedoch sicher. Sie haben einer kleinen Nation, die einst die mächtigste der Welt war, zu unermesslichem Wohlstand und Macht verholfen. Sie sind tief verwurzelt in dem, was wir sind, und prägen weiterhin unseren Charakter und unsere Kultur. Wo wären wir ohne Wasser? Oder besser gesagt, wer wären wir? Darüber möchten wir gar nicht nachdenken.

Weitere Informationen

UNESCO

Das Wouda-Pumpwerk