Besetzung und Verfolgung in Holland während des 2. Weltkrieges - Holland.com
Foto: © Arjan de Jager
Liberation Route

Hollands Besetzung im 2. Weltkrieg

Holland versuchte im 2. Weltkrieg neutral zu sein, dennoch fielen die deutschen Streitkräfte am 10. Mai 1940 in das Land ein. Kurze Zeit später war das Land in deutscher Hand. Damit begann eine fünfjährige Besatzungszeit, während der sich das Leben für die Holländer stetig verschlechterte. Neben Unterdrückung, Vertreibung, Hungertod und Zwangsarbeit in den Fabriken der Besatzer befanden sich bis zum Kriegsende fast drei Viertel der niederländischen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager. Bei einem Besuch der Orte, Denkmäler und Museen erfahren Sie mehr über die Besetzung und Verfolgung der Holländer in dieser Zeit. Damit wird ein Einblick in diese dunkle Zeit der Geschichte Hollands möglich.

  • Verfolgung der holländischen Bevölkerung während der Besetzung durch die deutschen Streitkräfte im 2. Weltkrieg.
  • Friedhöfe und Denkmäler gedenken den Opfern dieser dunklen Zeit der Geschichte Hollands.
  • Widerstand der Holländer im 2. Weltkrieg gegen die deutsche Kontrolle.

Deutscher Einmarsch in den Niederlanden

Die deutsche Besetzung der Niederlande begann nach einem fünftägigen Kampf im Mai 1940. Bomber der Luftwaffe warfen ihre tödliche Fracht während der Bombardierung von Rotterdam ab. Dabei kamen fast 1.000 Zivilisten ums Leben und es wurden Tausende Häuser und Wohnungen zerstört. Das holländische Oberkommando erkannte, dass Vorräte und Munition knapp waren und kapitulierte sodann am folgenden Tag.

Die Unterdrückung der Holländer

Zu Beginn der deutschen Besetzung der Niederlande lag das Zentrum von Rotterdam in Schutt und Asche. Die Regierung und die königliche Familie waren geflohen und Maßnahmen wurden gegen die jüdische Bevölkerung ergriffen. Im Juni 1941 fielen die Achsenmächte in die Sowjetunion ein, wurden aber in Moskau und Stalingrad besiegt. Somit verschlimmerte sich die Lage in den Niederlanden, da Deutschland höhere Kriegsbeiträge forderte. In Holland fokussierte man sich deshalb ausschließlich auf die Kriegsproduktion. Die Unterdrückung der Holländer verschärfte sich spürbar, insbesondere für die jüdische Bevölkerung.

Der Holocaust in Holland

Die Verfolgung der holländischen Juden war grausam und kalkuliert. Diskriminierung und Verfolgung der Juden begannen direkt nach dem Einmarsch. Juden durften keine öffentlichen Orte mehr besuchen und wurden aus Regierungspositionen entlassen. 1941 begannen die Nazis die Deportation der niederländischen Juden in das Konzentrationslager Mauthausen-Gusen.

Am 22. Und 23. Februar 1941 überfielen die deutschen Streitkräfte das jüdische Viertel in Amsterdam und nahmen über 400 jüdische Männer gefangen. Sie wurden anschließend deportiert. Die Reaktion der Holländer war einzigartig im von Nazis besetzen Europa: Sie organisierten den Februarstreik, einen zweitägigen Generalstreik, der am 25. Februar 1941 begann. Leider brachte er wenig Erfolg, und 1942 wurden die Juden gezwungen, den Davidstern an der Kleidung zu tragen und viele von ihnen wurden deportiert. Im selben Jahr errichteten die Deutschen ein Durchgangslager in Westerbork in der holländischen Provinz Drenthe. Konzentrationslager entstanden außerdem in Vught und Amersfoort. Heute erinnert ein Museum und Denkmal im Lager Vught an die Opfer. Eine Audio-Tour beschreibt das Leben, der hier im Lager gefangen gehaltenen Menschen. Nur rund 38.000 der 140.000 Juden, die 1941 in Holland lebten, überlebten bis zum Kriegsende im Jahr 1945.

Die in dieser Zeit begangenen Gräueltaten waren barbarisch. Eines der vielleicht schockierendsten Beispiele war die Zwangsräumung der jüdischen Psychiatrie Het Apeldoornse Bosch. Hunderte von behinderten und psychisch kranken Juden wurden von hier nach Auschwitz-Birkenau gebracht, um dort getötet zu werden. Ein Besuch von Het Herinneringscentrum Apeldoornsche Bosch, das heute unter dem Namen Zorginstelling 's Heeren Loo bekannt ist, informiert über die Einrichtung und die Geschichte der Menschen, die hier Patienten waren.

Zwangsarbeit und Atlantikwall

Eine der wesentlichsten Auswirkungen auf die Holländer während der Besatzung war der deutsche „Arbeitseinsatz“. Jeder Mann im Alter von 18 bis 45 musste in den deutschen Fabriken arbeiten. Im Rahmen dieses Programms wurden rund 500.000 Holländer zwangsweise nach Deutschland gebracht. Das Leben in den Fabriken war hart und auch gefährlich, da die Gebäude regelmäßig durch die Alliierten bombardiert wurden. Alle, die nicht gehen wollten, mussten untertauchen.

1943 verschärfte sich die angespannte Lage zwischen den Holländern und den deutschen Besatzungstruppen. Diese Feindschaft wurde durch den Bau des Atlantikwalls noch zusätzlich belastet. Dabei handelte es sich um eine gigantische Verteidigungslinie entlang der Küste, die die Nazis vom Südwesten Frankreichs nach Dänemark und Norwegen bauten. In Holland wurden in Den Haag und Scheveningen lange Mauerabschnitte durch zur Zwangsarbeit verpflichtete Holländer gebaut. Insgesamt wurden Zehntausende Wohnungen evakuiert und die Zahl der Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten, um beim Bau zu helfen, war um ein Vielfaches höher. Mehr über die Geschichte zum Atlantikwall erfahren Sie, wenn Sie die Region Wadden im Norden Hollands besuchen.

Der holländische Widerstand gegen die deutsche Kontrolle

Natürlich konnten einige Holländer nicht mit ansehen, was mit ihrem Land und den Leuten geschah. Sie stellten sich gegen die Besetzung. Die Gegenspionage, inländische Sabotage und die Kommunikationsnetzwerke dieses Widerstands waren eine wichtige Unterstützung für die Alliierten während der Befreiung Hollands. Dieser Widerstand setzte sich im Wesentlichen aus kleinen unabhängigen Zellen zusammen, die auch an einer Reihe von Störaktionen während der Besetzung teilnahmen. Dazu gehörte z. B. die Fälschung von Essensmarken und Geld, das Sammeln von Informationen, die Veröffentlichung von Untergrund-Zeitungen und die Sabotage von Telefonleitungen und Schienen. Wenn ein Mitglied des Widerstands erwischt wurde, erfolgte das Todesurteil unmittelbar.

In Scheveningen können Sie nach wie vor das Oranjehotel besuchen, eine Haftanstalt, in der Mitglieder des Widerstands eingesperrt und verhört wurden. Rund 250 Gefangene, die hier inhaftiert waren, wurden später zum Tode verurteilt und in der nahen Waalsdorpervlakte exekutiert. Die Deutschen ergriffen zudem grausame Vergeltungsmaßnahmen, wenn sie von Mitgliedern des Widerstands angegriffen wurden. Im Dorf Putten wurden 602 Männer, das war fast die gesamte männliche Bevölkerung, inhaftiert und in Konzentrationslager deportiert. Das war die Vergeltungsmaßnahme für einen Angriff auf ein Fahrzeug, in dem Mitglieder der Wehrmacht saßen. Und in der Ortschaft Woeste Hoeve wurden 116 Männer zusammengetrieben und an Ort und Stelle exekutiert, nachdem Widerstandskämpfer auf den General der Polizei und SS-General der Nazis, Hanns Rauter, geschossen hatten. Weitere 147 Gefangene der Gestapo wurden an verschiedenen anderen Orten hingerichtet. Das war die größte Massenexekution in den Niederlanden während des 2. Weltkriegs.

Ein weiterer Schritt in der Unterstützung des Widerstands war das Verstecken und Aufnehmen von Flüchtlingen und Feinden des Nazi-Regimes. Die Menschen, die das taten, wurden als „Onderduikers“ bezeichnet (wörtlich übersetzt „Untergetauchte“). Die Familie von Anne Frank war nur eine der Gruppen, die sich auf diese Weise versteckten. Heute können Sie „Das versteckte Dorf“ in den dichten Wäldern in der Nähe von Vierhouten besuchen, wo sich rund 80 Menschen über ein Jahr lang versteckt hielten. Ein weiterer Zufluchtsort war Nieuwlande in der Provinz Drenthe, einem von zwei Dörfern auf der Welt, die gemeinsam die israelische Auszeichnung „Gerechte unter den Völkern“ für die Rettung von Juden während des Kriegs erhielten.

Würdigung der Kriegsopfer

Am 5. Mai 1945 war Holland wieder frei, doch das Land hatte einen furchtbaren Preis bezahlt. Enorme Flächen der Landschaft, Dörfer, Ortschaften und Städte waren verwüstet. Die tatsächliche Anzahl der Toten war nahezu unzählbar. Heute können Sie Denkmäler und Friedhöfe besuchen, um diejenigen zu ehren, die ihr Leben im Krieg gaben. Dazu gehört das Ehrenfeld (Ereveld) in Loenen, wo über 3.900 Kriegsopfer beerdigt sind, darunter Zivilisten, Mitglieder des Widerstands und politische Gefangene. Das militärische Ehrenfeld Grebbeberg in der Nähe von Rhenen ist der letzte Ruheort holländischer Soldaten, die im Mai 1940 umkamen. Ysselsteyn in der Provinz Limburg ist der einzige deutsche Kriegsfriedhof in Holland. Hier liegen rund 32.000 gefallene Soldaten auf 17 Hektar Land. Weiterhin können Sie Kriegsfriedhöfe an verschiedenen Orten in Holland besuchen, die als letzte Ruhestätte für amerikanische, kanadische, britische, polnische, französische und deutsche Soldaten sowie Zivilisten dienen, die im 2. Weltkrieg gefallen sind. Die Gräber der Soldaten, die während des 2. Weltkriegs starben, findet man auch auf www.liberationroute.com.

Liberation Route

Liberation Route

Entdecken Sie diese historische Memorial Route, die die wichtigsten Meilensteine im Vorstoß der Alliierten verbindet.

Liberation Route

Der Atlantikwall

Von Bunkern bei Den Haag bis hin zum Kasemattenmuseum im Gebiet des Wattenmeers, die Überreste des Atlantikwalls sind nach wie vor sichtbar.

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Nationaal Monument Oranjehotel und die Waalsdorpervlakte

Über 25.000 Menschen waren während des Krieges im Oranjehotel gefangen, mindestens 250 davon wurden in unmittelbarer Nähe, auf der Waalsdorpervlakte erschossen. An beiden Orten wird der schrecklichen Ereignisse gedacht.

die Niederlande während des Zweiten Weltkriegs 1940-45

Geschichtsmuseen

Kamp Westerbork

Kamp Westerbork, ein Durchgangslager zu den Konzentrations- und Vernichtungslagern, erinnert an die hunderttausenden holländischen Juden, Sinti und Roma, die während des Zweiten Weltkrieges ermordet wurden.

Liberation Route

Nationaal Monument Kamp Vught

Entdecken Sie im Nationaal Monument Kamp Vught eine dunkle Periode in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges in Holland. Über 32.000 Menschen waren während des Krieges im Lager Vught interniert.

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