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Die Schlacht an der Scheldemündung

Die Schlacht an der Scheldemündung war eine Serie militärischer Einsätze, die im Herbst 1944 im Norden Belgiens und in der Provinz Zeeland im Südwesten Hollands stattfanden. Nach der Befreiung des Hafens von Antwerpen mussten sich die Alliierten der Aufgabe stellen, die deutschen Besatzer aus der Scheldemündung zurückzudrängen. Damit sollten die Nachschublinien für die alliierte Front freigehalten werden. Es fanden erbitterte Kämpfe in dickem Schlamm, bei dichtem Nebel und starkem Regen um Deiche und Dämme, geflutete Polder und von den deutschen Verteidigungslinien schwer befestigte Dörfer und Städte statt. Dies war eine weitere maßgebliche Periode der Befreiung Hollands, die das Kriegsende näherbrachte, wenn auch nur mit schweren Verlusten.

  • Erinnerung an die gefallenen alliierten Soldaten in Bergen op Zoom und Westkapelle.
  • Warum spielte der Hafen von Antwerpen und die Scheldemündung in Zeeland für die alliierten Einsätze eine so große Rolle.
  • Besuch der bei den Kämpfen stark beschädigten Städte und Dörfer in Zeeland.

Antwerpen und der Beginn der Schlacht an der Scheldemündung

Britische Panzer rollten am 4. September 1944 in die Stadt Antwerpen. Nach einigen kurzen Gefechten hatten die Briten die Stadt bis zum Abend unter Kontrolle. Dieser Sieg hatte für die Alliierten eine besondere Bedeutung, da sie einen großen Hafen benötigten. Der Grund: Nachschublieferungen für ihre 2 Millionen Mann zählende Armee in Westeuropa und um weiter in Richtung Deutschland vorzustoßen.

Die Alliierten kontrollierten Antwerpen, aber die Deutschen hielten nach wie vor die schwer befestigte Insel Walcheren an der westlichen Scheldemündung. Heute gehört sie zum Festland von Zeeland. Dort hatten die Besatzer ihre schweren Geschütze teilweise eingegraben, um diese vor Luftangriffen zu schützen. Aufgrund von Nachschubproblemen und da die Alliierten Operation Market Garden den Vorzug gaben, konnten sich die Deutschen mit dem größten Teil der Streitkräfte über die Mündung zurückzuziehen. Somit konnten sie circa 86.000 Soldaten, 600 Geschütze und 6.000 Fahrzeuge auf die Insel transportieren. Die Deutschen kontrollierten beide Flussufer und alliierte Minensucher konnten die Fahrrinne nicht vor Minen sichern, damit Nachschubschiffe eine sichere Durchfahrt gehabt hätten.

Flucht und Entbehrungen der holländischen Bevölkerung

Zunächst planten die Alliierten, die Scheldemündung zu öffnen, den Bereich nördlich von Antwerpen zu räumen und den Zugang zur Halbinsel Zuid-Beveland zu sichern. Am 28. September 1944 startet die 2. kanadische Division ihren Vormarsch in nördliche Richtung von der belgischen Stadt aus, um das holländische Woensdrecht zu erobern. Flugblätter, auf denen man die holländische Bevölkerung zur Flucht aufforderte, wurden am 2. Oktober 1944 über der Insel Walcheren abgeworfen. Am nächsten Tag bombardierten die Alliierten Westkapelle. Dadurch entstand nicht nur ein Loch im Hafendamm, sondern die Explosionen töteten zudem 152 Zivilisten und zerstörten nahezu die gesamte Stadt. Andere Angriffe durchlöcherten die Deiche bei Veere, Vlissingen und Fort Rammekens. 80 % von Walcheren war überflutet, sodass Tausende holländische Einwohner ihr Hab und Gut zurücklassen und auf den wenigen verbleibenden trockenen Flächen Schutz suchen mussten. Das Dijk- en oorlogsmuseum (Deich- und Kriegsmuseum) informiert über die Rolle von Westkapelle während des Krieges sowie die Erlebnisse der Einwohner.

Schwarzer Freitag in Woensdrecht

Der Vormarsch der Kanadier gestaltete sich wegen strömenden Regens, Fallen und Landminen schwierig, weshalb ein Großangriff auf Woensdrecht erst am 7. Oktober begann. Die Gefechte waren erbittert, und die kanadischen Truppen waren im Vergleich zu den deutschen Veteranen, die die Stadt verteidigten, relativ unerfahren. Eine der blutigsten Kämpfe der Schlacht um Woensdrecht ereignete sich am Freitag, dem 13. Oktober. Dabei fanden 56 Soldaten des kanadischen Black Watch Regiments bei einem Angriff auf gut vorbereitete deutsche Positionen auf einem offenen Feld den Tod. Dieser Tag gilt bei den kanadischen Streitkräften seither als Black Friday (Schwarzer Freitag). Trotz der schweren Verluste, und größtenteils dank der Artillerie und Luftunterstützung konnten die Kanadier Woensdrecht am 16. Oktober letztendlich doch noch erobern. Die deutschen Streitkräfte in Zuid-Beveland und Walcheren wurden dadurch von den Versorgungslinien abgeschnitten.

Operation Switchback: Räumung des Kessels von Breskens

Der zweite Abschnitt der Operation Switchback war darauf ausgerichtet, den Kessel von Breskens zu räumen. Ein Gebiet, das nördlich des Leopoldkanals und südlich des westlichen Scheldeufers liegt. Die deutschen Truppen hatten die Deiche gesprengt, um das Gebiet zu fluten. Die unzähligen Gräben und Kanäle machten militärische Manöver nahezu unmöglich, da nur die schmalen Straßen oben auf den Deichen befahrbar waren. Darüber hinaus verfügten die Deutschen über 10.000 Mann, die mit Maschinengewehren, Mörsern und Artillerie gut ausgestattet waren. Trotz der massiven Abwehr der Deutschen gelang es den Kanadiern am 21. Oktober, mithilfe von Amphibienfahrzeugen und WASP-Flammenwerfern Breskens zu erobern. Am 2. November stürmten kanadische Soldaten einen Geschützbunker und nahmen den deutschen Kommandanten Knut Eberding gefangen. Er ergab sich widerstandslos, trotz des Befehls, bis zum bitteren Ende für den Führer zu kämpfen. Operation Switchback war erfolgreich beendet, als die deutschen Truppen am nächsten Tag ihre Waffen niederlegten.

Der Erfolg der Operation Switchback

Noch während der Operation Switchback starteten kanadische Truppen die Operation Vitality, um die Halbinsel Zuid-Beveland zurückzuerobern. Bei einer weiteren Schlacht auf überflutetem und vermintem Gelände und mit deutscher Abwehr, stießen die Alliierten nur auf geringen Widerstand. Sie erreichten schließlich die deutschen Verteidigungslinien auf dem Zuid-Beveland-Kanal. Mithilfe von amphibischen Angriffsschiffen der gerade eingetroffenen schottischen 52nd Lowland Division nahmen die Alliierten Zuid-Beveland mit minimalen Verlusten ein.

Die letzten Puzzleteile

Gegen Ende Oktober 1944 war der größte Teil des Gebiets um die Scheldemündung befreit. Lediglich die deutschen Küsten-Batterien auf Walcheren hinderten die Alliierten an der Nutzung des Hafens von Antwerpen. Die Befreiung der Insel – mittlerweile ein schwer befestigtes deutsches Fort – war das letzte Puzzleteil zur Öffnung der Verteidigungslinien zum Hafen von Antwerpen. Um dies zu erreichen, wurde am 31. Oktober von der 2. kanadischen Infanteriedivision Operation Infatuate gestartet. 

Walcheren war über den Sloedam mit der Halbinsel Zuid-Beveland verbunden, eine 1.200 Meter lange, 45 Meter breite Straße, die schwer umkämpft wurde. Die Alliierten begannen Frontalangriffe auf den Sloedam, aber kurz darauf kam die Offensive zum Stillstand. Die Alliierten wussten nämlich, dass es zu gefährlich war, von vorne anzugreifen. Schottische Soldaten des 6. Bataillons überraschten die Deutschen mit einem Nachtangriff, nachdem sie das schlammige Wasser der Sloe überquert hatten. Dieser Angriff mit dem Codenamen Operation Mallard war erfolgreich, und die flankierten Deutschen zogen sich zurück. Am 3. November fiel der Sloedam in die Hände der Alliierten. Die Gedenkstätte Sloedam erinnert an die gefallenen kanadischen und schottischen Soldaten, die während Operation Mallard ums Leben kamen.

Im Rahmen der Operation Infatuate griffen die Alliierten die Insel von zwei weiteren Richtungen aus an: südlich über die Schelde und westlich über das Meer. Sie erreichten schließlich die holländische Stadt Vlissingen. Heute ist der Besuch von ‚Uncle Beach‘ möglich. Dort gingen die Alliierten an Land, um die Stadt einzunehmen. Hier erfährt man zudem mehr über die Besetzung, die Befreiung und die Erlebnisse der Bürger Zeelands während des Zweiten Weltkrieges. 

Am 6. November fiel Walcherens Hauptstadt Middelburg, und der deutsche Widerstand endete nur zwei Tage später. Die Schlacht an der Schelde, eine der längsten und erbittertsten, die je auf holländischem Boden ausgetragen wurde, war vorbei, und die wichtige Versorgungslinie war gesichert. Im Liberation Museum Zeeland wird die die Schlacht ausführlich erläutert, mit rekonstruierten Bunkern, Straßensperren und der Notkirche Ellewoutsdijk, die während des Krieges genutzt wurde. Auf dem kanadischen Soldatenfriedhof in Bergen op Zoom sind 1.116 Soldaten, davon 968 Kanadier, beigesetzt.

Wir empfehlen: Weitere aufschlussreiche Informationen zur Befreiung Hollands sowie die ausschlaggebende Rolle, die die alliierten Streitkräfte bei der Beendigung des Zweiten Weltkrieges spielten.

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Operation Switchback - October 6, 1944

Closing the Scheldt Pocket - october 1944

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